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Donnerstag, 20. September 2018

Energiewende der Bürger stärken

In vielfältigen Formen engagieren sich Bürgerinnen und Bürger in ihren Kommunen und Regionen für Belange des Klimaschutzes und der dezentralen Energiewende. Mit Hilfe von Energiegenossenschaften und anderen bürgergetragenen Organisationsformen verändern sie die Energieversorgung grundlegend. 

Engagement, Partizipation, Selbstversorgung und Regionalität sind wesentliche Merkmale der Bürgerenergie. Auf welche Herausforderungen die Bürgerenergie-Aktiven dabei stoßen, welche Lösungen sie entwickeln und welche Beiträge sie für eine umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation unseres Energiesystems leisten (können) - diese und ähnliche Fragen behandelt dieser Band.

Christian Lautermann (Hg.): Die Energiewende der Bürger stärken. 

Marburg 2018, 322 S., 34,80 Euro, ISBN 978-3-7316-1285-8

Samstag, 24. Januar 2015

einblick 02/2015 vom 26.01.2015

Zukunftsthemen: Mitbestimmung stärken

Die Arbeit der Zukunft zu gestalten, wird 2015 Leitmotiv des DGB sein. Dazu will der DGB 2015 einen intensiven Diskurs mit seinen Mitgliedern, der Politik und wichtigen gesellschaftlichen Gruppen anstoßen.
(Seite 1)

Mitgliederzahlen: Täglich 840 neue Mitglieder

Die Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften sind 2014 geringfügig um 0,6 Prozent zurückgegangen. Drei Gewerkschaften, die IG Metall, die GEW und die GdP, konnten 2014 ein Mitgliederplus erzielen.
(Seite 5)

IG Metall: Pilotprojekte in den USA und in Ungarn

Die IG Metall will die Internationalisierung der Gewerkschaftsarbeit verstärken. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit soll in Form „gewerkschaftlicher Joint Ventures“ geschehen. Unter anderem sind Pilot-Büros in Ungarn und den Südstaaten der USA geplant.
(Seite 6)

TTIP: Nur mit Arbeitnehmerrechten

Bernd Lange (SPD), Berichterstatter des Europäischen Parlaments für das Freihandelsabkommen TTIP, erläutert im einblick-Interview den aktuellen Stand der TTIP-Verhandlungen, die Bedeutung von Arbeitnehmerrechten und warum er intransparente Schiedsstellen ablehnt.
(Seite 7)

Www.einblick.de


—-- c4harry

Montag, 1. Dezember 2014

Burnout

WSI-Mitteilungen

Soziologen: Burnout als Symptom einer übertriebenen Wettbewerbsmentalität ernst nehmen

Wachsende Anforderungen, Wettbewerbsdruck ohne Feierabend und ein hoher Anspruch an die eigene Arbeit - wo diese Faktoren zusammenkommen, steigt das Burnout-Risiko. Soziologen sehen das Leiden als Symptom einer entgrenzten Arbeits- und Wirtschaftsweise.

Begonnen hat es in der alternativen Nische. Als der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger 1974 erstmals Fälle von Burnout beschrieb, waren seine Patienten Sozialarbeiter und Lehrer, die wie er in Spanish Harlem arbeiteten: hoch motiviert, politisch engagiert - und nach Jahren frustriert durch die Erfahrung, dass sie trotz eines Einsatzes weit jenseits normaler Arbeitszeiten im damaligen New Yorker Problemviertel nicht wirklich etwas ändern konnten - eben “ausgebrannt”.

Die besondere Kombination aus hoher eigener Identifikation und systematischer Überforderung von Beschäftigten sei ein Schlüssel, um zu verstehen, warum sich Burnout stark ausgebreitet hat, schreiben Prof. Dr. Sighard Neckel und Greta Wagner. Natürlich gab es immer schon harte Arbeit und Stress. Trotzdem sei Burnout keineswegs nur eine Modediagnose, betonen der Frankfurter Soziologie-Professor und seine Mitarbeiterin. Erschienen ist ihr Aufsatz in den WSI-Mitteilungen, der Fachzeitschrift des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung.* Burnout spiegele vielmehr gewichtige Veränderungen in Arbeitswelt und kapitalistischem Wirtschaftsmodell wider: “Unrealistische Erwartungen an die Belastbarkeit von Mitarbeitern entstammen längst nicht mehr dem Idealismus alternativer Milieus der 1970er-Jahre, sondern sind in einer ökonomischen Kultur zur Regel geworden, die um jeden Preis auf permanente Leistungssteigerung setzt.”

Zwei wesentliche Trends greifen nach Analyse der Wissenschaftler ineinander: Eine Selbstverantwortungs- und Wettbewerbslogik, die das Berufsleben prägt, aber längst auch in den privaten Bereich hineinreicht - von der Konkurrenz zwischen betrieblichen Profit-Centern über die Sorge um den Schulerfolg der Kinder bis hin zur Castingshow im Fernsehen. Neckel und Wagner sehen einen Zusammenhang zur “Ausbreitung des Neoliberalismus in den 1990er-Jahren”. In deren Folge sei “es zu einer zeitlichen und sachlichen Entgrenzung von Wettbewerben” gekommen, “sodass Wettbewerbe zunehmend die Sozialordnung als Ganzes bestimmten”.

Einerseits seien zuvor weitgehend nach anderen Logiken organisierte Bereiche wie Hochschulen oder öffentliche Verwaltung in den Wettbewerb einbezogen worden, so die Forscher. Zum anderen verkürzten sich für sehr viele Erwerbstätige die Abstände, in denen “der erreichte Status wieder zur Disposition gestellt und ,performativ’ neu erkämpft werden” musste. Begünstigt wurde das durch Fortschritte in der Informationstechnik. Leistungsfähige Computer bildeten eine zentrale Voraussetzung für engmaschige Leistungs- und Erfolgskontrollen. Mobilgeräte eröffneten die Möglichkeit, Beschäftigte dauernd zu erreichen. Hinzu kamen Deregulierungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie erleichterten beispielsweise die Einrichtung befristeter Jobs, die der Analyse von Neckel und Wagner zufolge “den Leistungsdruck auf die Mitarbeiter erhöhen und sie zwingen, ihren Wert für die Organisation immer wieder von Neuem beweisen zu müssen”.

Als zweiten, “subjektiven” Faktor der Entgrenzung identifizieren die Soziologen den Wunsch vieler Menschen, “dass die Arbeit mehr sein möge als bloßer Lebensunterhalt”. Der Anspruch, sich im Beruf selbst zu verwirklichen, habe sich seit Freudenbergers Zeiten stark ausgebreitet und werde auch dort gepflegt, wo das früher nicht üblich war. Was aus Sicht des einzelnen Arbeitnehmers grundsätzlich nachvollziehbar und sinnvoll sei, könne jedoch “zum Köder” werden. Nämlich dann, wenn Unternehmen mit praktisch grenzenlosem Einsatz kalkulieren - nach Ansicht der Forscher sind beispielsweise kräftige langfristige Zuwächse bei atypischen oder überlangen Arbeitszeiten ein Indiz dafür. Besonders problematisch sei es, wenn Beschäftigte keine echten Möglichkeiten hätten, ihre Arbeitsgestaltung mitzubestimmen. Neckel und Wagner resümieren typische psychologische Fallbeschreibungen zum Burnout: “Die Identifikation mit der Arbeit trieb die späteren Burnout-Patienten, je unzulänglicher die Arbeitsbedingungen waren, in immer größeres Engagement, was schließlich zum Erschöpfungszusammenbruch führte”.

Dass Burnout in den Medien prominent behandelt wird, halten die Soziologen für durchaus positiv. Das Syndrom sei zu einem griffigen Symbol geworden, über das “der Wandel der Arbeitswelt und die daraus entstehenden psychischen Kosten, welche die Arbeitssoziologie teilweise bereits seit Jahrzehnten beschrieben hatte”, nun verstärkt Thema in breiteren gesellschaftlichen Debatten würden. Statt aus Überforderung resultierende psychische Erkrankungen als individuelle Probleme abzutun, gerieten die Schattenseiten einer übersteigerten Wettbewerbsgesellschaft in den Blick, die die Arbeitskraft verschleiße. Nicht selten bereits in Vorauswahlen oder Antragsprozessen für Projekte, die am Ende nie umgesetzt werden. Die öffentliche Kritik könnte helfen, die Wirtschaft auf einen stärker nachhaltigen Entwicklungspfad zu bringen, hoffen Neckel und Wagner. In manchen Unternehmen seien schon Anzeichen dafür zu beobachten.

Sighard Neckel, Greta Wagner: Burnout. Soziales Leiden an Wachstum und Wettbewerb. In: WSI-Mitteilungen 7/2014. : Download

Montag, 1. September 2014

einblick 15/2014 vom 1.9.2014

Zeit für Investitionen
Die Konjunkturerwartungen haben sich eingetrübt. Jetzt muss die Binnennachfrage gestärkt werden. Der DGB hält deshalb höhere Löhne und verstärkte öffentliche und private Investitionen für zwingend notwendig.
(Seite 1)

Gute digitale Arbeit ist das Ziel
Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt grundlegend. Besonders betroffen ist der Dienstleistungssektor. ver.di-Expertin Nadine Müller beschreibt, was zu tun ist, um Gestaltungschancen zu nutzen und Risiken für Erwerbstätige einzuschränken. Außerdem Fakten, Trends und Veranstaltungen zur Digitalisierung.
(Seite 2/3)

Die Geschichte verpflichtet
100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten ist der Antikriegstag 2014 aktueller denn je. Die historische Botschaft zum 1. September ist eindeutig: Es darf nie wieder Krieg von deutschem Boden ausgehen.
(Seite 4)

Noch nicht am Ziel
Partnerschaftlichkeit und Selbstbestimmung – darum geht es dem DGB in der Familienpolitik. Das ElterngeldPlus, das 2015 kommen soll, geht in die richtige Richtung. Dennoch besteht aus Sicht des DGB weiterhin dringender Handlungsbedarf.
(Seite 5)

Solidarität muss die Basis sein
Ende Juni ist der Grundlagenvertrag bei der Deutschen Bahn ausgelaufen, der seit 2008 die Zuständigkeiten der Gewerkschaften für die verschiedenen Beschäftigtengruppen regelte. Warum die Verhandlungen für eine anschließende Kooperationsvereinbarung zwischen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) scheiterten, erklärt der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner.
(Seite 7)

http://www.einblick.dgb.de


—-- c4harry, Quelle:

Samstag, 31. Mai 2014

einblick 10/2014

Der DGB startet durch

Selbstbewusst präsentierten sich die DGB-Gewerkschaften auf dem 20. Ordentlichen
DGB-Bundeskongress vom 11. bis 15. Mai in Berlin. „Wir haben auf dem Kongress bewiesen: Wir sind die gesellschaftliche Kraft für mehr soziale Gerechtigkeit, Gute Arbeit und ein anderes, ein soziales Europa“, resümierte der neu gewählte DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann.
(Seite 1)

Mutig und streitbar

„Freie Gewerkschaften sind ein wesentlicher Teil der Demokratie“, erklärte Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede auf dem DGB-Bundeskongress. Individualisierung, Generationengerechtigkeit und Globalisierung sieht der Bundespräsident als größte Herausforderungen für die Zukunftsfähigkeit der Gewerkschaften.
(Seite 2)

„Wir wollen mehr!“

Eine breite gesellschaftliche Debatte über gute Arbeit und den Wert von Arbeit, einen Ausbau der Mitbestimmung und eine stärkere Europäisierung der Gewerkschaftspolitik hat der neue DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann in seiner Grundsatzrede gefordert.
(Seite 6)

DGB-Bundeskongress: Kurs gesetzt

Ob zur neuen Ordnung der Arbeit, den Themen Rente, Tarifeinheit, Steuerpolitik, Freihandelsabkommen, Digitalisierung oder dem zivilen Ungehorsam – der einblick zeigt Debatten und Beschlüsse des DGB-Bundeskongresses.
(Seiten 7-9)

http://www.einblick.dgb.de


—-- c4harry

Samstag, 10. Mai 2014

einblick 9/2014 vom 12.4.2014

Impulse für Gute Arbeit
„Arbeit, Gerechtigkeit, Solidarität“ ist das Motto, unter dem vom 11. bis 16. Mai 400 Delegierte aus den acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften zum „Parlament der Arbeit“, dem 20. Ordentlichen DGB-Bundeskongress, zusammenkommen. Im Berliner CityCube beraten sie die politischen Schwerpunkte der nächsten vier Jahre und wählen den neuen Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand (GBV).
(Seite 1)

Die Themen des Parlaments der Arbeit
In fünf große Themenblöcke sind die Anträge des 20. Ordentlichen DGB-Bundeskongresses unterteilt. Die 400 Delegierten werden insgesamt 202 Anträge beraten. einblick zeigt, worum es geht.
(Seiten 2 und 3)

Michael Sommer im Interview: Der Motor läuft wieder
Zwölf Jahre war Michael Sommer Vorsitzender des DGB. Im einblick-Interview spricht Michael Sommer über Herausforderungen und Erfolge während seiner Amtszeit.
(Seiten 4 und 5)

Gute Arbeit im Fokus
Am 12. Mai wählen die Delegierten des 20. Ordentlichen DGB-Bundeskongresses den neuen Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand (GBV). Erstmals wird er nur aus vier Mitgliedern bestehen. einblick stellt die KandidatInnen für den GBV vor.
(Seiten 6 und 7)

http://www.einblick.de


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Freitag, 25. April 2014

einblick 8/2014 vom 28.4.2014

Eine gute Politik für Deutschland

„Gute Arbeit. Soziales Europa“, so lautet die Forderung der Gewerkschaften zum 1. Mai 2014. Am „Tag der Arbeit“ kann in diesem Jahr eine erfreuliche Zwischenbilanz gezogen werden. Doch gibt es noch genügend Gründe, um für eine bessere Zukunft zu demonstrieren.
(Seite 1)

EU-Arbeitsmarkt fair gestalten

Vor zehn Jahren am 1. Mai 2004 traten der EU zehn neue Mitgliedstaaten bei, darunter acht aus dem ehemaligen Ostblock. Die historische Spaltung Europas war damit überwunden.
(Seite 3)

Verbesserungen bitter nötig

Das Rentenpaket der Bundesregierung ist auf dem Weg. Am 1. Juli soll es in Kraft treten. Die Rente mit 63 für langjährig Versicherte und die Mütterrente standen vor allem im Fokus der Öffentlichkeit. Aber auch bei der Erwerbsminderungsrente gibt es Leistungsverbesserungen, und diese sind bitter nötig.
(Seite 5)

Renaissance der Zeitpolitik

In die Debatte um kürzere Arbeitszeiten für Eltern kommt Bewegung. Die IG Metall kündigt eine entsprechende tarifpolitische Initiative an, die Wirtschaftsverbände signalisieren Gesprächsbereitschaft. Der Journalist Thomas Gesterkamp plädiert für eine Familienarbeitszeit, die private Freiräume lässt.
(Seite 7)

www.einblick.de


—-- c4harry

Montag, 14. April 2014

einblick 7/2014 vom 14. April

Arbeitsförderung neu ausrichten

Zu einer neuen Ordnung der Arbeit gehört auch eine Neuausrichtung der Arbeitsförderung, fordert der DGB. Alle Beschäftigte und Arbeitsuchende sollen die Chance auf einen sicheren und fair bezahlten Arbeitsplatz haben.
(Seite 1)

Gleichheitsgrundsatz verletzt

Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sehen in dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Stärkung der Tarifautonomie und den Regelungen für einen gesetzlichen Mindestlohn, „einen großen und wichtigen Schritt für eine neue Ordnung der Arbeit“. Massiv kritisieren die Gewerkschaften jedoch die jetzt festgelegten Ausnahmeregelungen.
(Seite 3)

Gratis arbeiten für den Betrieb

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreicht immer neue Rekordmarken, die Wirtschaft ruft den Fachkräftemangel aus. Doch die Qualität der Arbeit, Untersuchungsgegenstand des „DGB-Index Gute Arbeit“, liegt weiter nur im unteren Mittelfeld.
(Seite 5)

Wir leben von der Substanz

Deutschland spart sich kaputt. Die Infrastruktur verrottet zunehmend. Um Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit nicht zu gefährden, braucht Deutschland mehr öffentliche Investitionen. Stefan Körzell, DGB-Bezirksvorsitzender von Hessen-Thüringen, plädiert dafür, dass die Gewerkschaften die Forderung nach einer Investitionsoffensive zu einem ihrer Schwerpunktthemen der nächsten Jahre machen.
(Seite 7)

http://www.einblick.dgb.de


—-- c4harry

Montag, 17. März 2014

Frauenlohnspiegel dort für Transparenz

Vielfältige Benachteiligungen von Frauen im Erwerbsleben

Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen lag in Deutschland in den Jahren 2009-2013 rund 20 Prozent unter dem der Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Analyse, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung zum Equal-Pay-Day vorlegt. Besonders groß ist der Rückstand unter älteren Beschäftigten: Bei jüngeren Frauen zwischen 25 und 30 Jahren liegt er bei rund 13 Prozent, bei Frauen zwischen 36 und 40 Jahren beträgt er 19 Prozent, zwischen 51 und 55 Jahren erreicht er gut 21 Prozent und in der Altersgruppe der 61 bis 65- Jährigen sogar 28 Prozent. "Dieser Trend unterstreicht, was Studien zum Gender-Pay-Gap immer wieder zu Tage fördern: Frauen steigen oft schon mit einem Verdienstnachteil ein, unter anderem, weil Berufe, in denen viele Frauen arbeiten, schlechter bezahlt werden. Sie fallen später weiter zurück, weil sie den Großteil der Familienarbeit übernehmen. Sie gelangen seltener in gut bezahlte Führungspositionen. Und sie sind gar nicht so selten mit direkter oder indirekter Diskriminierung konfrontiert", sagt Dr. Reinhard Bispinck, der Leiter des WSI-Tarifarchivs.

Welche weiteren Unterschiede gibt es zwischen Frauen und Männern im Arbeitsleben, etwa beim monatlichen Gehalt in den einzelnen Berufen, bei den Extras wie Sonderzahlungen, bei der Weiterbildung oder bei den Aufstiegschancen? Mit dem Internetportal www.frauenlohnspiegel.de sorgt das WSI-Tarifarchiv seit einigen Jahren für mehr Transparenz bei den Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Frauen (und Männern) und hat dazu zahlreiche Studien vorgelegt.* Einige Schlaglichter aus den aktuellsten Daten belegen, dass es immer noch vielfältige Benachteiligungen von Frauen im Erwerbsleben gibt.

Basis der Analysen des Frauenlohnspiegels ist der Online-Fragebogen, der von den Besucherinnen und Besuchern auf der Website ausgefüllt werden kann. Im vergangenen Jahr haben dies rund 11.200 Personen getan, darunter gut 4.600 Frauen. Die Fachleute des Tarifarchivs haben den Datensatz des Jahres 2013 nach verschiedenen Kriterien ausgewertet.

Berufe
Der Einkommensrückstand von Frauen lässt sich über die große Mehrzahl der Berufe beobachten. Er reicht von 2 Prozent bei Technischen Zeichner/innen über 14 Prozent bei den Architekt/innen, 19 Prozent bei Bankkaufleuten bis zu 27 Prozent bei Zahntechniker/innen. Nur in wenigen Berufen liegt das Einkommen der Frauen über dem der Männer. So verdienen Informatiker/innen immerhin 3 Prozent mehr als ihre Kollegen (siehe tabellarische Übersicht in der pdf-Version dieser PM; Link unten).

Sonderzahlungen
Nicht nur beim monatlichen Gehalt, sondern auch bei den Sonderzahlungen haben die Frauen das Nachsehen: Fast 57 Prozent der Männer haben nach eigenen Angaben eine Sonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes erhalten, Frauen dagegen nur zu rund 51 Prozent. Männer bekamen zu gut 50 Prozent ein Urlaubsgeld, Frauen dagegen nur zu 38 Prozent. Männer erhielten zu 20 Prozent eine Gewinnbeteiligung, Frauen dagegen zu 10 Prozent.

Weiterbildung und Beförderung
Während rund 48 Prozent der Männer angaben, im letzten Jahr von ihrem Arbeitgeber eine Weiterbildung bekommen zu haben, sind es bei den Frauen mit gut 43 Prozent etwas weniger. Frauen gaben dagegen öfter an, im letzten Jahr eine Weiterbildung selbst finanziert zu haben, nämlich 20 Prozent gegenüber knapp 17 Prozent bei den Männern. Rund 18 Prozent der Frauen, aber knapp 27 Prozent der Männer geben an, dass sie in dem Betrieb, in dem sie arbeiten, einmal befördert worden sind.

Führungskräfte
Frauen mit Hochschulabschluss haben mit 21 Prozent weniger oft eine Führungsposition als Männer mit 32 Prozent. Sie erhalten auch bei gleicher Hierarchiestufe ein deutlich geringeres Gehalt. Frauen mit Hochschulabschluss erhalten als (Haupt-)Abteilungsleiterinnen im Schnitt 3.700 Euro monatlich, Männer in derselben Position dagegen 5.200 Euro.

Das Projekt
Seit dem Start des Projekts 2004 haben sich rund 250.000 Beschäftigte an der Umfrage beteiligt. Der Gehalts-Check bietet Daten zu 374 Berufen. Das Projekt "LohnSpiegel" ist Bestandteil des internationalen Wage-Indicator-Netzwerks, an dem Projekte aus über 75 Ländern mit gleicher Zielrichtung beteiligt sind.

* Veröffentlichungen des Projekts können hier abgerufen werden: http://www.lohnspiegel.de/main/veroeffentlichungen

Die PM mit Tabelle (pdf): http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2014_03_17.pdf


—-- c4harry

Sonntag, 16. März 2014

WSI-Studie: Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen unter 8,50 Euro nimmt ab

Die Zahl der tariflichen Vergütungsgruppen mit Stundenlöhnen unter 8,50 Euro ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Das WSI-Tarifarchiv untersuchte rund 4.750 Vergütungsgruppen aus 40 Branchen und Wirtschaftszweigen.

Im Dezember 2013 sahen 10 Prozent davon Stundenlöhne von weniger als 8,50 Euro vor. Im März 2010 lag dieser Anteil noch bei 16 Prozent.

Aktuell in der Diskussion: Niedriglohnsektor: Jeder Dritte ohne Mindestlohn?
Sollte die Bundesregierung Minijobber, Rentner, Studierende und Arbeitslose mit Zuverdienst vom Mindestlohn ausnehmen, würden 37 Prozent der Niedriglohnbezieher leer ausgehen, so das Ergebnis einer Studie des WSI.


Interview: Ausnahmen vom Mindestlohn?

Mit dem Radiosender „detektor.fm“ spricht Thorsten Schulten über die aktuelle WSI-Studie, derzufolge die Gefahr droht, dass bis zu 2 Millionen Beschäftigte von dem geplanten Mindestlohn in Deutschland ausgeschlossen werden könnten.


Neue Forschung am WSI: Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf (AZOLA)

Im Projekt wird die Nutzung von Arbeitszeitoptionen (z.B. Teilzeitarbeit, Elternzeit, Pflegezeit sowie Arbeitszeitkonten) im Betrieb analysiert. Es sollen zudem Vorschläge für die Gestaltung und Umsetzung von Arbeitszeitoptionen entwickelt werden, die die Beschäftigten in ihrer Lebensführung unterstützen und gleichzeitig für Betriebe dauerhaft vertretbar sind.


WSI-Mitteilungen: Schwerpunktheft zum Thema "Zukunft der Facharbeit"

Seit mittlerweile zwei Jahrzehnten wird in der arbeitssoziologischen und bildungspädagogischen Diskussion das Ende der beruflichen Facharbeit in Deutschland heraufbeschworen.

Das aktuelle Schwerpunktheft 01/2014 der WSI-Mitteilungen vertritt hingegen das Argument, dass Facharbeit nach wie vor das qualifikatorische Rückgrat der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industriebetriebe ist.



—-- c4harry

Samstag, 15. März 2014

einblick 5/2014 vom 17. März

Betriebsratswahl: Erfolgreiche Basisdemokratie

Seit Anfang März haben Millionen Beschäftigte die Wahl: Sie stärken mit ihrer Stimme die betrieblichen Interessenvertretungen. Bereits nach wenigen Tagen zeichnet sich ab, dass die Betriebsratswahlen 2014 erfolgreich angelaufen sind.
(Seite 1)

Mindestlohn: Würde kennt keine Ausnahmen

Die Debatten um den gesetzlichen Mindestlohn reißen nicht ab. Grund genug für den DGB und die Gewerkschaften, ihre Aktivitäten im Rahmen ihrer Mindestlohnkampagne zu verstärken. Dazu hat der DGB jetzt ein Papier vorgelegt, das seine Positionen zum Mindestlohn klarstellt und Argumente gegen Ausnahmen liefert.
(Seite 3)

Europa: Gemeinsam gegen die Rattenfänger

In Berlin diskutierten Anfang März GewerkschafterInnen aus Spanien, Schweden, England, Bulgarien und Deutschland, wie gemeinsame Strategien aussehen müssen, um die Interessen der ArbeitnehmerInnen in Europa voranzubringen.
(Seite 5)

Mitbestimmung: Gemeinsam Stärken besser nutzen

Betriebs- und Personalräte setzen sich täglich und besonders bei betrieblichen Krisen für die Beschäftigungs- und Standortsicherung ein. Gerade in Krisenzeiten ist dabei die Unterstützung von PolitikerInnen hilfreich. Die Juristin und Sozialökonomin Christiane Jansen skizziert, wie diese Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen verbessert werden kann.
(Seite 7)

http://www.Einblick.de/


—-- c4harry

Montag, 10. März 2014

Behinderung von Betriebsratswahlen: Nicht nur Einzelfälle

Unternehmer oder Manager, die Betriebsratswahlen behindern, machen sich strafbar. "Dennoch häufen sich in den letzten Jahren zunehmend Berichte, dass genau dies geschieht", schreiben Dr. Martin Behrens und Dr. Heiner Dribbusch in einer neuen Analyse. Wissenschaftliche Befunde lägen jedoch kaum vor. Deshalb haben die beiden Forscher des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung zu klären versucht, welches Ausmaß diese Aktivitäten inzwischen haben. In Kooperation mit den Gewerkschaften IG Metall, IG BCE und NGG sowie dem Fachbereich Handel von ver.di befragten Dribbusch und Behrens 184 der zuständigen hauptamtlichen Gewerkschafter aus den Bezirken, Regionen und Verwaltungsstellen; diese haben in der Regel einen guten Überblick über die Arbeitsbeziehungen vor Ort. Repräsentativ sind die Ergebnisse nicht, doch erlauben sie aus Sicht der Forscher eine Trendaussage: Versuche, neue Betriebsräte zu verhindern seien "bislang kein stilbildendes Merkmal der deutschen Arbeitsbeziehungen", aber "deutlich mehr als eine Fußnote".

Überdurchschnittlich häufig kämen Behinderungen in inhabergeführten Unternehmen vor, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen.* Erste stichprobenartige Nachfragen deuteten darauf hin, dass die Zahl der Fälle dort ansteige, wo sich Gewerkschaften aktiv um die Gründung neuer Betriebsräte bemühen, fassen die Wissenschaftler zusammen.

Insgesamt 59 Prozent der 184 Befragten sind Fälle bekannt, in denen Unternehmer versucht haben, die Gründung einer Arbeitnehmervertretung zu verhindern. Die lokalen Experten, denen Behinderungen bekannt waren, berichteten im Mittel von jeweils gut zwei Fällen, in denen Arbeitgeber gegen die Wahlen Front machten. Jeder dritte der Versuche war aus Sicht des Managements erfolgreich; die Betriebsratswahl wurde vereitelt. Am häufigsten erlebten die Befragten aus der Handelsbranche Wahlbehinderungen: Hier nannten 66 Prozent mindestens einen Fall.

Besonders häufig seien Versuche, Kandidaten für die Betriebsratswahl einzuschüchtern, stellen die Forscher fest. Gerade in kleinen und mittelgroßen Betrieben, in denen der Kontakt zwischen Eigentümer, Management und Beschäftigten oft eng sei, ließen sich Kandidaten leicht unter Druck setzen. Im Durchschnitt beobachteten diese Taktik 73 Prozent der Befragten in jenen Betrieben, in denen die Wahl behindert wurde, im Fachbereich Handel von ver.di sogar 86 Prozent. 43 Prozent der Befragten, die Wahlbehinderungen beobachtet hatten, berichteten, der Unternehmer habe versucht, die Bestellung eines Wahlvorstandes zu verhindern. 24 Prozent der lokalen Experten hatten erlebt, dass Kandidaten für den Betriebsrat gekündigt wurde. 16 Prozent berichteten von Fällen, in denen Beschäftigten vom Arbeitgeber Vorteile für den Fall versprochen wurden, dass sie ihre Kandidatur zurückziehen (siehe auch die Grafik in Böckler Impuls 4/2014; Link unten).

Obwohl Arbeitgeber sich von ihren Verbänden in arbeitsrechtlichen Fragen beraten lassen könnten, ziehen viele im Konfliktfall Anwaltskanzleien oder Unternehmensberatungen hinzu, fanden die Forscher heraus. In 43 Prozent der beobachteten Fälle von Behinderung waren sich die befragten Gewerkschafter sicher, dass eine dritte Partei im Spiel war, in weiteren 38 Prozent konnten sie dies nicht zuverlässig einschätzen. Lediglich ein Fünftel der Konflikte lief ausschließlich zwischen dem Unternehmen und seinen Beschäftigten ab.

Einige Kanzleien sind für ihre Unterstützung bei der Verhinderung von Betriebsräten bekannt. Die meisten Unternehmen wenden sich aber eher an ihren Hausanwalt. So oder so: Schalten sie Externe ein, greifen sie häufiger zu drei oder mehr Maßnahmen zur Wahlbehinderung. 43 Prozent der Befragten berichteten von solch massiver Obstruktion.

Über die Grenzen gewerkschaftlicher Organisationsbereiche hinweg fanden Dribbusch und Behrens eine mitbestimmungsfeindliche Stimmung hauptsächlich in inhabergeführten Unternehmen sowie in Betrieben mit weniger als 200 Beschäftigten: "In diesem Teil der deutschen Wirtschaft scheinen der ,Herr-im-Haus'-Standpunkt und eine geringe Bereitschaft, die betriebliche Entscheidungsgewalt zu teilen, besonders weit verbreitet zu sein." Wenn es die Arbeitnehmervertretung erst einmal gibt, lasse der Widerstand allerdings nach. Zumeist scheine sich das Management dann "mit der Existenz des Betriebsrates abgefunden zu haben".

*Martin Behrens, Heiner Dribbusch: Arbeitgebermaßnahmen gegen Betriebsräte: Angriffe auf die betriebliche Mitbestimmung, in: WSI-Mitteilungen 2/2014. Download: http://media.boeckler.de/Sites/A/Online-Archiv/13013

Weitere Informationen und Infografik zum Download im Böckler Impuls 4/2014: http://www.boeckler.de/46062_46070.htm

Mehr Informationen zur Betrieblichen Mitbestimmung: http://www.boeckler.de/21.htm

Informationsangebot zur Betriebsratswahl: http://www.boeckler.de/43842.htm


—-- c4harry

Freitag, 14. Februar 2014

einblick 3/2014

einblick 3/2014 vom 17.2.2014:

Mindestlohn stärkt Tarifsystem

Ob Fleischbranche, Einzelhandel oder Leiharbeit: Gewerkschaften handeln bessere Tarifverträge im Niedriglohnsektor aus. Der kommende gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro hilft dabei. Er setzt die Arbeitgeber unter Druck.
(Seite 1)

Deutschland braucht mehr Investitionen

Um die Krise in der Eurozone zu überwinden, fordern die Gewerkschaften seit Langem eine Investitionsoffensive für Europa. Das gilt insbesondere auch für Deutschland. „Hierzulande gibt es einen massiven Investitionsstau“, stellt DGB-Vorstandsmitglied Reiner Hoffmann fest.
(Seite 3)

Schweizer Votum als Warnung

„Das Ergebnis ist nicht nur bedauerlich, es hat weitreichende Konsequenzen“, erklärt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach zum Ergebnis der Volksabstimmung in der Schweiz. Auch der Schweizerische Gewerkschaftsbund und der Europäische Gewerkschaftsbund sehen weitreichende Konsequenzen durch den Ausgang des Referendums.
(Seite 5)

Einzug in den Herrenclub

Entgeltgleichheit, Frauenquote, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Uta Meier-Gräwe, Professorin an der Universität Gießen, erklärt, was die neue Bundesregierung anpacken muss, um die Gleichstellung von Frauen und Männern voranzubringen.
(Seite 7)

http://www.einblick.de


—-- c4harry

Dienstag, 4. Februar 2014

EDEKA: Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung

Qualitatives Forschungsprojekt lotet Möglichkeiten bei der Übergabe von EDEKA-Filialen aus

Die genossenschaftlich organisierte Handelsgruppe EDEKA hat seit 2003 knapp 1.200 ihrer Geschäfte mit rund 50.000 Beschäftigten "privatisiert". Dabei werden so genannte "Regiemärkte", die bis dahin von den EDEKA-Regionalgesellschaften selbst betrieben wurden, an selbständige Kaufleute abgegeben. Meist sind es bereits in der Region aktive selbständige EDEKA-Kaufleute oder die zuvor angestellten Filialleiter, die mit Unterstützung der Regionalgesellschaft solche Märkte erwerben. Die Geschäfte sind rechtlich selbständig, beim Warenbezug, durch Mietverhältnisse und bei der Werbung aber weiterhin eng an die EDEKA angebunden.

Beschäftigte von betroffenen EDEKA-Märkten und Arbeitnehmervertreter berichten immer wieder über deutliche Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen nach der Privatisierung. Oft scherten die neuen Eigentümer nach einer Übergangsphase aus dem Tarifvertrag aus, die Arbeit verdichte sich deutlich. Zudem verlieren die Beschäftigten meist ihre betriebliche Vertretung, weil bei der EDEKA Betriebsräte vor allem auf der Ebene der Regionalgesellschaften angesiedelt sind. In den einzelnen Märkten gibt es nur selten Betriebsräte.

Eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung des Berliner Handelsexperten Dr. Bert Warich aus dem Jahr 2011 hat ergeben, dass solche Probleme keineswegs nur in Einzelfällen auftreten. Im selbständigen Einzelhandel der EDEKA liege der Anteil der Super- und Verbrauchermärkte mit Betriebsrat bei etwa einem Prozent, vielfach komme es durch Tarifflucht der selbständigen Kaufleute zu Lohndumping, konstatierte der Forscher. Das liege auch daran, dass zahlreiche Eigentümer Betriebsräte ablehnten und im Extremfall die Gründung von betrieblichen Vertretungen behindert würde.

Eine zweite, wiederum von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Untersuchung nähert sich dem selbständigen Einzelhandel der EDEKA nun aus einer anderen Perspektive. Forscher Warich hat sechs Märkte, die in Kooperation mit zwei Regionalgesellschaften ausgewählt wurden, über 18 Monate nach der Übertragung an neue Eigentümer begleitet. Dabei geht es nicht um einen repräsentativen Überblick über das aktuelle Privatisierungsgeschehen. Der wäre gar nicht möglich, weil die Fallzahl viel zu gering und das Auswahlverfahren nicht verzerrungsfrei ist. So zeichnen sich fünf der sechs untersuchten Märkte beispielsweise dadurch aus, dass sie einen Betriebsrat haben und, untypisch für Privatisierungen, weiterhin in der Tarifbindung bleiben. Ziel des Projekts ist vielmehr zu erforschen, ob und unter welchen Umständen der Übergang ohne Verschlechterung der Arbeitsbedingungen möglich ist. Das Projekt befindet sich kurz vor dem Abschluss. Seine Ergebnisse werden voraussichtlich Anfang März veröffentlicht.

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Stefan Lücking
Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-175
E-Mail: Stefan-Luecking@boeckler.de




—-- c4harry

Samstag, 1. Februar 2014

einblick 2/2014 vom 3.2.2014

Pflegereform sofort angehen

Für den Pflegebereich verspricht die neue Bundesregierung Verbesserungen. Der DGB bewertet einige Ansätze im Koalitionsvertrag positiv. Es gibt aber auch noch Korrekturbedarf.
(Seite 1)

Jünger und attraktiver

Der Aufwärtstrend bei den Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften hat sich 2013 fortgesetzt. Es ist ihnen gelungen, die Mitgliederzahlen bei rund 6,14 Millionen zu stabilisieren. Fünf Gewerkschaften, die IG Metall, die NGG, die GEW, die GdP und ver.di, konnten 2013 ein Mitgliederplus erzielen.
(Seite 3)

Gute Arbeit am Set

Sinkende Gagen, unsichere Perspektiven und eine unzureichende soziale Absicherung bestimmen den Arbeitsalltag vom Filmschaffenden. ver.di und der Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) wollen das gemeinsam ändern.
(Seite 5)

Mitbestimmung globalisieren

Klaus Hering, Betriebsratsvorsitzender der ArcelorMittal in Bremen und Mitglied im Euro-Betriebsrat des weltgrößten Stahlkonzerns, skizziert, wie Arbeitnehmerinteressen in globalisierten Unternehmen vertreten werden können.
(Seite 7)

http:www.einblick.de


—-- c4harry

Donnerstag, 30. Januar 2014

Böckler Impuls Nr. 02 vom 29. Januar 2012

Der Informationsdienst der Hans-Böckler-Stiftung bringt alle zwei Wochen auf acht Seiten prägnante Analysen und Berichte rund um die Themen Arbeit, Wirtschaft und Soziales. Kurz und anschaulich für Leute mit Zeitnot geschrieben, wertet er konsequent wissenschaftliche Quellen und fundierte Fachsichten aus. Bereichert durch viele Grafiken und Schaubilder, die auch zum Nachdruck abrufbar sind.

Mindestlohn

Jeder Dritte könnte leer ausgehen
Etwa 5 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Würde die Bundesregierung den Forderungen nach Ausnahmen vom Mindestlohn nachgeben, gingen bis zu 2 Millionen dieser Niedriglöhner leer aus.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45632.htm

Gewinnbeteiligung

Ungleiche Chancen auf Erfolgsprämien
Immer mehr Arbeitnehmer erhalten Erfolgsbeteiligungen, besonders in der Metall- und Elektroindustrie. Geringqualifizierte, Leiharbeiter und Frauen gehen überdurchschnittlich oft leer aus.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45627.htm

Elterngeld

Setzt er länger aus, steigt sie schneller ein
Das Elterngeld soll Müttern früher zurück ins Erwerbsleben verhelfen - und Väter dazu anregen, sich bei der Kinderbetreuung stärker zu engagieren. Das funktioniert recht gut, zeigt eine Studie.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45622.htm

Wirtschaftspolitik

Im Strudel der Deregulierung
Seit den 1970er-Jahren wandelte sich die Wirtschaft vom Real- zum Finanzkapitalismus. Das war keine zufällige Entwicklung. Der Wirtschaftsforscher Stephan Schulmeister erkennt ein Muster, nach dem Deregulierung regelmäßig Probleme schuf, die wiederum mit weiterer Deregulierung bekämpft wurden.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45620.htm

Europa

Troika attackiert Tarifsysteme
Reallöhne und Tarifbindung gehen drastisch zurück, Flächentarife werden zerstört. Das ist das Resultat der Politik von Europäischer Zentralbank, EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds in Europas Krisenländern.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45609.htm

USA

Gewerkschaften verhindern Arbeitsarmut
Das beste Mittel gegen Erwerbsarmut sind starke Gewerkschaften. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des US-amerikanischen Arbeitsmarkts.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45606.htm

Löhne

Jobwechsel bringt auch im Osten mehr Geld
Wer die Firma wechselt, verdient später mehr, als wenn er geblieben wäre. Für Ostdeutsche zahlt sich ein neuer Job im Osten inzwischen stärker aus als ein Umzug in den Westen.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45605.htm

Hartz IV

Jeder Zweite unter 25 schafft Ausstieg
Einmal Hartz IV, immer Hartz IV? Wenigstens für junge Menschen gilt das nicht. Dennoch gelingt vielen Schulabgängern in den ersten Jahren keine dauerhafte Integration in den Arbeitsmarkt.
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45599.htm

Tarifpolitik

Trends und Nachrichten
Mehr: http://www.boeckler.de/45592_45597.htm

Die nächste Ausgabe erscheint am 12. Februar 2014

Böckler Impuls http://www.boecklerimpuls.de

Gesamtausgabe als PDF:
http://boeckler.de/impuls_2014_02_gesamt.pdf



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Samstag, 21. Dezember 2013

einblick 22/2013

Die Richtung stimmt

Stärkung des Tarifsystems, Mindestlohn und Verbesserungen bei der Rente: Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD greift Interessen der ArbeitnehmerInnen auf. Die Gewerkschaften werden die Umsetzung kritisch begleiten.
(Seite 1)

Koalitionsvertrag unter der Lupe

Der DGB hat den schwarz-roten Koalitionsvertrag detailliert analysiert und bewertet. Ob Rente, Pflege oder Bildung – einblick zeigt, wo aus Sicht der Gewerkschaften die Richtung stimmt und wo es Nachbesserungsbedarf gibt.
(Seiten 2 und 3)

Klima der Angst

Mechthild Middeke, ver.di-Sekretärin im Fachbereich Handel, über die Auseinandersetzungen bei Amazon und die Forderungen an die Politik.
(Seite 7)

Http://Einblick.de




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Donnerstag, 28. November 2013

Sammlung betrieblicher Vereinbarungen 2013 - 2014

Die Hans-Böckler-Stiftung betreibt als gemeinnützige Einrichtung das Archiv Betriebliche Vereinbarungen. Dank der Unterstützung vieler Interessenvertretungen können wir inzwischen auf mehr als 14.000 Betriebs- und Dienstvereinbarungen zurückgreifen.

Zu über 90 Themenbereichen bieten wir bereits Auswertungen und Analysen an, stets mit dem Ziel, betriebliche Praktikerinnen und Praktiker konkret zu unterstützen.

Wir bitten in diesem Jahr um die Zusendung von betrieblichen Vereinbarungen zu allen Themenfeldern, die in den vergangenen zwei Jahren abgeschlossen wurden.

Es sollte sich nach Möglichkeit um abgeschlossene Vereinbarungen oder ähnliche Regelungen handeln. Dabei sind wir an allen, auch an wenig weit reichenden, Regelungen interessiert. Alle Vereinbarungen, die wir erhalten, werden streng vertraulich behandelt und keinen außen stehenden Personen zugänglich gemacht. Zitate werden nur in anonymisierter Form zugelassen.

Wenn Sie uns Vereinbarungen schicken, erhalten Sie Publikationen der Reihe kostenlos.

Die einmalige, auch unaufgeforderte Zusendung von Vereinbarungen ist uns ebenfalls willkommen.

Bitte schicken Sie die Vereinbarungen an:

Hans-Böckler-Stiftung
Archiv Betriebliche Vereinbarungen
Hans-Böckler-Str. 39
40476 Düsseldorf
Tel.: (0211) 77 78 - 288/167/129
Fax: (0211) 77 78 - 188

Für alle Fragen stehen wir gern zur Verfügung. Wir freuen uns auch, wenn sie diese Nachricht weiterleiten.

Mit freundlichen Grüßen,

Manuela Maschke



Dr. Manuela Maschke
Hans-Böckler-Stiftung
Referatsleiterin Archiv Betriebliche Vereinbarungen
Hans-Böckler-Str. 39
D-40476 Düsseldorf
office: +49/(0)211-7778-224
fax: +49/(0)211-7778-4224
manuela-maschke@boeckler.de
www.boeckler.de/betriebsvereinbarungen



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Montag, 18. November 2013

Zerfällt die deutsche Arbeitgeberlandschaft?

Aktuelles Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen

Zerfällt die deutsche Arbeitgeberlandschaft? Wissenschaftler beleuchten Entwicklung der Verbände

Das System der Tarifverträge ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten löchriger geworden. 1998 galten Tarifverträge noch für 76 Prozent der Beschäftigten in Westdeutschland und für 63 Prozent in Ostdeutschland. 2012 lag die Tarifbindung dagegen nur noch bei 60 Prozent im Westen und 48 Prozent im Osten. Das liegt nicht nur an einem geringeren Organisationsgrad der Arbeitnehmer, sondern auch an Erosionserscheinungen auf der Arbeitgeberseite. Wissenschaftler haben in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen Fakten zusammengetragen und die Auflösung traditioneller Strukturen untersucht.*

Zum Vertragsschluss braucht es immer zwei. Wenn bestehende Unternehmen aus dem Arbeitgeberverband austreten, in die so genannte OT-Mitgliedschaft (OT = ohne Tarif) wechseln oder neue Unternehmen gar nicht erst eintreten, fehlt Arbeitnehmerorganisationen der Ansprechpartner. PD Dr. Martin Behrens, Forscher am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung, unterscheidet zwischen einer äußeren und einer inneren Erosion der Arbeitgeberverbände.

Mit äußerer Erosion ist gemeint, dass die Verbände Mitglieder verlieren. Beispielsweise büßte Gesamtmetall allein zwischen 1993 und 1996 über 20 Prozent seiner Mitgliedsunternehmen ein. Doch nicht nur Verbandsaustritte schwächen die Interessenvertretungen der Arbeitgeber. Längerfristig wirkt es sich auch aus, wenn durch natürliche Fluktuation ausgeschiedene Firmen nicht durch neue ersetzt werden können. Im Übrigen sind es nicht nur wirtschaftlich schwache Unternehmen, die den Verbänden den Rücken kehren, hat Behrens beobachtet. Es handelt sich also keineswegs um ein Phänomen, das vor allem angeschlagene Firmen betrifft, die sich Tariflöhne nicht leisten können.

Dazu kommt die innere Erosion der Verbände, die um die Jahrtausendwende eingesetzt hat. Unternehmen bleiben Verbandsmitglieder, scheiden aber aus der Tarifbindung aus. Behrens zufolge bietet gut die Hälfte der rund 700 Arbeitgeberverbände in Deutschland eine OT-Mitgliedschaft an. Meist ist dies die Reaktion auf vorangegangene Mitgliederverluste. Im Jahr 2010 hatten 42 Prozent der Mitgliedsunternehmen von Gesamtmetall den OT-Status. Allerdings entfallen auf diese Unternehmen nur 17 Prozent der Beschäftigten. Das heißt: Es sind eher die kleineren Unternehmen, die sich der Tarifbindung entziehen.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland ein Sonderfall, wie Dr. Bernd Brandl von der Universität York in Großbritannien feststellt. Zwar ist das Organisationsniveau - etwa 60 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Unternehmen, die in einem Arbeitgeberverband sind, um die 20 Prozent der Arbeitnehmer in einer Gewerkschaft - nichts Besonderes. Aber der Rückgang auf der Arbeitgeberseite ist ein deutsches Phänomen. Als eine Ursache betrachtet der Wissenschaftler die Strategie der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, auf die Dezentralisierung von Tarifverhandlungen zu drängen. "Somit entzieht sich der Verband sukzessive seine Existenzgrundlage, was sich in einem Rückgang an Mitgliedern manifestiert", so Brandl.

Nicht nur ihre tarifpolitische Funktion haben die Arbeitgeberverbände teilweise eingebüßt. Auch auf einem anderen Feld, nämlich beim politischen Lobbying, setzen zumindest größere Unternehmen heute auf eigene Zugänge, anstatt sich auf die Arbeit des Verbands zu verlassen, schreibt Dr. Rudolf Speth von der Universität Kassel. Der Experte für politische Kommunikation erklärt dies unter anderem mit der Auflösung traditioneller Netzwerke und der Globalisierung: Die Kontakte zwischen Parteien und Verbänden sind nicht mehr so eng wie in früheren Jahrzehnten und eine neue Managergeneration setzt andere Prioritäten. Nicht zuletzt, weil die Unternehmen auf internationalen Märkten agieren und ihnen die national organisierten Verbände weniger hilfreich erscheinen.

Allerdings wäre es zu einfach, alle Arbeitgeberorganisationen in einen Topf zu werfen. Sie unterscheiden sich von Branche zu Branche, was Auswirkungen auf die Beziehungen zu den Gewerkschaften hat. Entsprechend existieren nach den Analysen von Dr. Markus Helfen, Forscher an der Freien Universität Berlin, unterschiedliche Typen von Sozialpartnerschaft. So arbeiten Arbeitgeber und Gewerkschaften in der chemischen Industrie eng und meist geräuschlos zusammen, hier ragten "die sozialpartnerschaftlichen Arrangements durch Tiefe und Breite besonders" heraus; während die Auseinandersetzungen in der Metallindustrie häufig konfrontativer sind. Helfen spricht hier von einer "Konfliktpartnerschaft". Als brüchig oder nicht existent erweist sich die Sozialpartnerschaft dagegen in neueren Branchen wie den Industriedienstleistungen oder der Leiharbeit. Hier fehle es Gewerkschaften häufig an einem Gegenüber, das vertrauensvolle Kooperation ermöglicht, konstatiert der Forscher.

Wie lassen sich sozialpartnerschaftliche Institutionen wieder beleben, vor allem der auf Verbandsebene ausgehandelte Flächentarif in verwaisten Sektoren? Der Göttinger Arbeitsrechtler Manfred Walser zeigt Möglichkeiten auf, das Tarifsystem auf dem Weg der Gesetzgebung zu stabilisieren. So ließen sich die Hürden senken, die heute einer Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen entgegenstehen. Zudem sei es sinnvoll, Ausweichmöglichkeiten wie Leiharbeit und Werkverträge zu begrenzen.

*Schwerpunktheft der WSI-Mitteilungen: Zerfällt die deutsche Arbeitgeberlandschaft? Ausgabe 7/2013. Link zum Inhaltsverzeichnis: http://www.boeckler.de/index_wsi-mitteilungen.htm

Beitrag von Martin Behrens: Arbeitgeberverbände - auf dem Weg in den Dualismus?: http://media.boeckler.de/Sites/A/Online-Archiv/12364



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Mittwoch, 13. November 2013

Mindestlohn: 8,50 Euro pro Stunde sind kein europäischer Spitzenwert

Entgegen anderslautenden Medienberichten würde Deutschland mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde keinen europäischen Spitzenplatz einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung in einem aktuellen Vergleich der Mindestlöhne in Europa.

Nach Analyse des WSI-Mindestlohnexperten Dr. Thorsten Schulten "läge Deutschland mit einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde noch deutlich unterhalb des Mindestlohnniveaus in anderen westeuropäischen Staaten. Dies gilt erst recht, wenn man die entsprechende Kaufkraft des Mindestlohns berücksichtigt. Auch gemessen am Medianlohn, dem mittleren Stundenlohn, den Beschäftigte erhalten, stellen 8,50 Euro keineswegs einen ungewöhnlich hohen Wert da", betont Schulten.

Von den insgesamt 21 EU-Staaten, die über einen gesetzlichen Mindestlohn verfügen, liegt dieser in fünf Staaten oberhalb von 8,50 Euro (siehe Abbildung 1 in der pdf-Version dieser PM; Link unten). Hierzu gehören Luxemburg mit einem Spitzenwert von 11,10 Euro, sowie Belgien, die Niederlande und Frankreich mit Werten zwischen 9,07 und 9,43 Euro. Selbst im krisengeplagten Irland liegt der Mindestlohn mit 8,65 Euro noch oberhalb der in Deutschland derzeit diskutierten Marke.
Der Vergleich gesetzlicher Mindestlöhne gemessen in Euro wird zudem teilweise durch starke Wechselkursschwankungen verzerrt. Dies gilt insbesondere für Großbritannien, dessen nationale Währung gegenüber dem Euro in den letzten Jahren um mehr als 30 Prozent abgewertet hat. Ohne diese Abwertung würde der britische Mindestlohn heute ebenfalls bei mehr als 9 Euro liegen.

Für die Beurteilung der Höhe eines Mindestlohns muss darüber hinaus berücksichtigt werden, welche Kaufkraft mit dem Mindestlohn verbunden ist. Um die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in Europa zu berücksichtigen, hat das WSI die Mindestlöhne auf der Grundlage von Kaufkraftparitäten neu berechnet (siehe Abbildung 2 in der pdf-Version). Ein Mindestlohn von 8,50 Euro würde demnach in Deutschland einem Kaufkraftstandard (KKS) von 7,14 Euro entsprechen. Der kaufkraftbereinigte Mindestlohn in Deutschland würde damit etwa auf dem Niveau des Mindestlohns in Großbritannien und deutlich unterhalb der Mindestlöhne in Frankreich, den Beneluxstaaten und Irland liegen.

Schließlich ist von Bedeutung, wie sich der Mindestlohn jeweils zum nationalen Lohngefüge verhält. Letzteres kann mit dem so genannten "Kaitz-Index" gemessen werden, der den Mindestlohn als Prozentsatz des nationalen Medianlohns misst. Die entsprechenden Daten, die hierzu regelmäßig von der OECD veröffentlicht werden, basieren allerdings auf nicht-harmonisierten nationalen Datenquellen und können deshalb lediglich als Näherungswerte angesehen werden. Nach Angaben der OECD variierten im Jahr 2011 die Mindestlöhne gemessen an den Medianlöhnen von Vollzeitbeschäftigten zwischen 71 Prozent in der Türkei und 35 Prozent in Tschechien, wobei die Mehrzahl der Länder einen Wert um die 50 Prozent aufweist (Abbildung 3).

Für Deutschland hat WSI-Forscher Schulten die aktuellsten vorliegenden Daten aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet. Sie weist für das Jahr 2011 einen Medianlohn für Vollzeitbeschäftigte von 2.829 Euro brutto pro Monat aus. Bei einer 40-Stunden-Woche entspricht dies einem Medianlohn pro Stunde von 16,35 Euro. Dementsprechend würde ein Mindestlohn von 8,50 Euro im Jahr 2011 bei 52 Prozent des Medianlohns liegen. Berücksichtigt man darüber hinaus die Gehaltsteigerungen der Jahre 2012 und 2013, so entsprechen 8,50 Euro heute etwa 50 Prozent des Medianlohns. Mit diesem Wert befindet sich Deutschland lediglich im europäischen Mittelfeld.

Die PM mit Grafiken (pdf): http://www.boeckler.de/pdf/pm_wsi_ta_2013_11_06.pdf



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