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Freitag, 1. Februar 2019

Praktiker-Lexikon Umsatzsteuer


Rolf-Rüdiger Radeisen

Praktiker-Lexikon Umsatzsteuer

9. Auflage 2018


Umfang: 720 Seiten

Kartoniert

Preis: 89,90 €

ISBN: 978-3-95554-417-1


Mit allen aktuellen Änderungen bis zum 01.07.2018

Anschaulich, kompakt und aktuell

129 Stichworte von Änderung der Bemessungsgrundlage bis Zusammenfassende Meldung

Praxishinweise und Fallbeispiele liefern Lösungen derumsatzsteuerrechtlichen Fragen


Das Umsatzsteuerrecht ist geprägt durch permanente Änderungen. Leistender Unternehmer aber auch Leistungsempfänger müssen zur korrekten Abwicklung alle ausgeführten und erhaltenen Leistungen auf korrekte umsatzsteuerliche Behandlung hin überprüfen. Eine fehlerhafte Beurteilung kann zu erheblichen finanziellen Nachteilen für alle Beteiligten führen.


Dabei ist das Umsatzsteuerrecht im Laufe der letzten Jahre immer komplexer geworden, nationale wie internationale Änderungen führen regelmäßig zu neuen Abgrenzungsfragen. Seit 2010 werden die Vorschriften zur Bestimmung des Orts der sonstigen Leistung permanent geändert oder die Vorschriften zur Übertragung der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger ausgeweitet und – wie bei den Bauleistungen – mehrfach angepasst. Aber nicht nur die richtige Beurteilung ist für den Unternehmer wichtig, er muss auch alle notwendigen Nachweise führen können. Gerade bei grenzüberschreitend ausgeführten Leistungen müssen die Vorschriften zur Bestimmung des Orts der Leistung, der Steuerbefreiungen und der ordnungsgemäßen Belegführung beachtet werden.


Alle diese Vorschriften stellen an den Praktiker hohe Anforderungen und erfordern einen aktuellen Überblick über die Regelungen. Das Praktiker-Lexikon Umsatzsteuer bietet eine umfassende Darstellung der aktuellen Fragen.


Die Stichworte sind an den Bedürfnissen der Praxis ausgerichtet, um dem Ratsuchenden innerhalb kurzer Zeit eine praktikable Lösung anbieten zu können. Fundstellen und weiterführende Verweise ermöglichen eine Lösung auch schwieriger Probleme.

Die komplett überarbeitete und inhaltlich erweiterte 9. Auflage enthält alle aktuellen Änderungen des Umsatzsteuerrechts bis zum 01.07.2018.


Zielgruppe: Umsatzsteuerexperten, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Finanzverwaltung, Praktiker in den Unternehmenssteuerabteilungen, Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung.


Der Autor:

Rolf-Rüdiger Radeisen, Prof., Dipl.-Kfm., Steuerberater in Berlin. Er ist Mitherausgeber und Mitarbeiter an verschiedenen Umsatzsteuerkommentaren und Praxishandbüchern. Darüber hinaus veröffentlicht er regelmäßig Beiträge in Fachzeitschriften und Online-Werken zur Umsatzsteuer und zum Erbschaftsteuer- und Bewertungsrecht. Er ist Honorarprofessor an der HTW – Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin – und seit Jahren für die GFS (Gesellschaft zur Fortbildung im Steuerrecht mbH) in der Aus- und Fortbildung von Steuerberatern tätig.

Montag, 2. Mai 2016

Deutliche Mehreinnahmen gegenüber Schätzung vom November

Steuerschätzung des IMK: Einnahmen steigen bis 2020 auf 807 Milliarden Euro – Aufkommen aus Erbschaftsteuer verdoppeln

Bund, Länder und Gemeinden können infolge des stabilen, binnenwirtschaftlich fundierten Wirtschaftsaufschwungs in diesem und in den kommenden Jahren bis 2020 mit kontinuierlich steigenden Steuereinnahmen rechnen. 2016 wird das Aufkommen aus Steuern und Abgaben zwar noch recht moderat um 2,7 Prozent auf gut 691 Milliarden Euro wachsen. Das sind aber immerhin 5 Milliarden mehr als der Arbeitskreis „Steuerschätzungen“ beim Bundesfinanzministerium im vergangenen November prognostiziert hat. Grund für das vergleichsweise langsame Wachstum sind die Erhöhung von Grund- und Kinderfreibeträgen, leichte Entlastungen beim Steuertarif und Erstattungen nach Gerichtsurteilen. Ab 2017 beschleunigt sich die Einnahmeentwicklung spürbar. 2020 werden Bund, Länder und Gemeinden knapp 807 Milliarden Euro einnehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Steuerschätzung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, die heute als IMK-Report auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt wird.* Laut IMK nimmt die öffentliche Hand bis 2020 zusammengerechnet über 45 Milliarden Euro mehr ein als im November vom Arbeitskreis erwartet.

Während sich das Aufkommen somit positiv entwickelt, weist das deutsche Steuersystem laut IMK aber weiterhin deutliche Defizite auf beim Ziel, der gewachsenen sozialen Ungleichheit entgegenzuwirken. Das zeige sich sehr deutlich auch bei den Plänen der Großen Koalition zur Neuregelung der Erbschaftsteuer. Die bisherige Gesetzgebung wurde Ende 2014 unter anderem für verfassungswidrig erklärt, weil die steuerfreie Übertragung von großen Betriebsvermögen ohne Bedürfnisprüfung eine unverhältnismäßige Überprivilegierung darstellt und damit gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung verstößt. Der daraufhin vorgelegte Gesetzentwurf „steigert das Aufkommen nur unzureichend, beseitigt kaum die Privilegierung des Betriebsvermögens und birgt weiterhin verfassungsrechtliche Risiken“, schreiben die IMK-Steuerexpertin Dr. Katja Rietzler, der Berliner Wirtschaftsprofessor Prof. Dr. Achim Truger, der Steuerfachmann Dieter Teichmann und Birger Scholz von der Freien Universität Berlin. In der IMK-Steuerschätzung legen die vier Wissenschaftler ein verfassungsgerechtes Alternativkonzept vor, mit dem sich außerdem das Aufkommen aus der Erbschaftsteuer langfristig verdoppeln ließe – ohne bei der Übertragung von Betrieben Arbeitsplätze zu gefährden. 

Die IMK-Steuerschätzung beruht auf der aktuellen Frühjahrsprognose des IMK von Ende April, die um einen mittelfristigen Ausblick ergänzt wurde. „Die vom IMK erwarteten Mehreinnahmen kommen angesichts der finanzpolitischen Herausforderungen durch die Flüchtlingskrise zur rechten Zeit“, konstatieren die Forscher. Sie resultierten primär aus der positiven Einkommens- und Beschäftigungsentwicklung, seien jedoch auch der Tatsache zu verdanken, dass die Politik „sich nicht – wie früher in Jahren guter Einnahmenentwicklung – zu kostspieligen Steuersenkungen hat verleiten lassen“, betonen die Experten. Dafür sehen sie auch in den kommenden Jahren keinerlei Spielraum: „Zentrale Zukunftsinvestitionen in Bildung und Infrastruktur müssen – wegen der Flüchtlingskrise mit nochmals erhöhter Dringlichkeit – getätigt werden und viele Länder und Kommunen brauchen dringend finanzielle Unterstützung, um ihre Kernaufgaben erfüllen und die Konsolidierungsziele erreichen zu können.“  

– 45 Milliarden mehr als in der Herbstschätzung erwartet – Im Vergleich zur letzten Prognose des Arbeitskreises „Steuerschätzungen“ beim Bundesfinanzministerium vom November 2015 prognostizieren Rietzler, Truger, Teichmann und Scholz erhebliche Mehreinnahmen. So rechnen sie für 2017 mit gesamtstaatlichen Steuereinnahmen von 725,6 Milliarden Euro, acht Milliarden mehr als vom Schätzerkreis im November erwartet (siehe auch Tabelle 3 im Report; Link unten). Für 2018 geht die IMK-Schätzung von einem Gesamtaufkommen von 755,2 Milliarden aus (+10,6 Milliarden). Zusammengerechnet nimmt die öffentliche Hand zwischen 2016 und 2020 laut IMK 45,6 Milliarden Euro mehr ein als der AK „Steuerschätzungen“ im vergangenen November prognostiziert hat. 

Das binnenwirtschaftliche Fundament des aktuellen moderaten Wirtschaftsaufschwungs schlägt sich nach der IMK-Analyse deutlich nieder in einem fortgesetzt kräftigen Wachstum bei Lohnsteuern, Umsatzsteuern und bei Zöllen für Importe. 

– Erbschaften: Verfassungsgerechte und praktikable Alternative zur massiven Privilegierung von Betriebsvermögen –
Stark gestiegen ist 2015 auch das Aufkommen aus der Grunderwerbsteuer sowie aus der Erbschaftsteuer. Letzteres erklären die Forscher allerdings zum Teil mit Vorzieheffekten: Angesichts der zu erwartenden gesetzlichen Neuregelung sei im vergangenen Jahr sehr viel Betriebsvermögen über Schenkungen übertragen worden. Dabei profitierten insbesondere die Empfänger sehr großer Betriebsvermögen noch von der massiven Privilegierung dieser Vermögensart, obwohl sie das Bundesverfassungsgericht 2014 für verfassungswidrig erklärt hat. Da vor allem wohlhabende Haushalte Betriebsvermögen halten und verschenken oder vererben, führt diese Privilegierung zu einem weitgehend regressiven Steuerverlauf bei Schenkungen und Erbschaften insgesamt, zeigen die Wissenschaftler anhand von Daten des Statistischen Bundesamts: So wurden Schenkungen in Höhe von 5000 bis 10.000 Euro 2014 im Durchschnitt effektiv mit 10,2 Prozent besteuert. In der Größenklasse über 20 Millionen Euro, in der viel Betriebsvermögen weitergegeben wird, lag die effektive Besteuerung dagegen lediglich bei 0,4 Prozent. Erbschaften über 20 Millionen Euro wurden effektiv zwar höher besteuert. Doch lag die Belastung mit 7,8 Prozent deutlich niedriger als in den übrigen Größenklassen ab 50.000 Euro (siehe auch Tabellen 6 und 7)        

Die von der Bundesregierung geplante „minimalinvasive“ Novelle der Erbschaftsbesteuerung werde an diesem Missverhältnis nur wenig ändern, konstatieren die Steuerexperten. Mit sehr weitgehenden Verschonungsregeln privilegiere die Regierung Firmenerben weiterhin weitaus stärker als nötig sei, um Arbeitsplätze bei der Übertragung auf die nächste Eigentümergeneration zu sichern. 

Das vorgeschlagene Alternativmodell orientiert sich daher am Gesetzentwurf der Regierung, baut die pauschale Verschonung des Betriebsvermögens aber so weit wie möglich ab, „ohne dass die Fortführung des Betriebes steuerlich gefährdet würde“. So sieht der Alternativ-Vorschlag weiterhin eine Bedürfnisprüfung vor, mit der verhindert werden soll, dass Empfänger von Betriebsvermögen finanziell überfordert werden. Anders als im Gesetzentwurf vorgesehen, würde auch Empfängern ohne ausreichendes Privatvermögen die Steuer langfristig nicht komplett erlassen. Vielmehr müssten auch sie bis zu 15 Prozent Steuern zahlen – mindestens den halben tarifären Steuersatz der Steuerklasse I. Durch großzügige Möglichkeiten zu einer verzinsten Stundung der Steuerzahlung über bis zu 15 Jahre sei dabei aber sichergestellt, dass die Erben ihre Steuern auf jeden Fall aus den laufenden Erträgen des übertragenen Unternehmens bezahlen können. Ohne dass Arbeitsplätze gefährdet würden, könne so „das Aufkommen der Erbschaftsteuer langfristig problemlos verdoppelt werden und die Erbschaftsteuer einen deutlich größeren Beitrag zur Korrektur der Einkommens- und Vermögensverteilung leisten“, resümieren die Wissenschaftler.  

*Katja Rietzler, Birger Scholz, Dieter Teichmann, Achim Truger: IMK-Steuerschätzung 2016-2020. Stabile Einnahmenentwicklung – Erbschaftsteuerreform nur Flickwerk, IMK Report Nr. 114, Mai 2016. Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_114_2016.pdf

Videostatement von Dr. Katja Rietzler:  https://youtu.be/SDoel2eJzTQ

Dienstag, 11. März 2014

Datenkarte der Hans-Böckler-Stiftung

Das Wichtigste im Taschenformat: Fakten zu Wirtschaft, Arbeitswelt und Mitbestimmung

Wie viele Beschäftigte werden in Deutschland nach Tarifvertrag bezahlt? Wie viele müssen nachts oder am Samstag arbeiten? Wie viele Frauen und wie viele Männer haben eine Teilzeitstelle? Wie viele können sich in ihrem Betrieb an einen Betriebs- oder Personalrat wenden? Wie hat sich die Zahl der mitbestimmten Unternehmen entwickelt? Wie groß ist das Armutsrisiko in verschiedenen Teilen Europas, wie hoch der gewerkschaftliche Organisationsgrad in den Ländern der EU? Die neue Datenkarte der Hans-Böckler-Stiftung liefert im handlichen Taschenbuchformat die aktuellen Zahlen zu den Themenfeldern:

Bevölkerung, Beschäftigung, Einkommen, Arbeitszeit
Arbeitsmarkt/Ausbildungsmarkt, Soziale Sicherheit
Gewerkschaftliche Daten
Wirtschaft/Finanzen sowie Umwelt/Gesundheit.

Differenzierte Daten für das westliche und das östliche Bundesgebiet ergänzen die Zahlen für Gesamtdeutschland. Ein EU- und ein kompakter Bundesländervergleich runden die Karte ab. Die gedruckte Karte liegt in deutscher Sprache vor. Die deutsche und eine englische Version der Datenkarte stehen auch auf den Internet-Seiten der Hans-Böckler-Stiftung als pdf-Datei zum Download bereit unter: http://www.boeckler.de/17065.htm

In Papierform ist die Karte kostenlos zu bestellen bei:

Setzkasten GmbH, Kreuzbergstraße 56
40489 Düsseldorf
Fax: +49 (0211) 4080090 - 40
mail@setzkasten.de

Bitte verwenden Sie für die Datenkarte die Bestell-Nr.: 30257


—-- c4harry

Samstag, 24. Dezember 2011

IMK Report Nr. 69

Im Bann der Austeritätspolitik, Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2012
Gustav Horn, Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Fabian Lindner, Katja Rietzler, Sabine Stephan, Achim Truger und Rudolf Zwiener

Die deutsche Konjunktur hat sich nach einem dynamischen Auftakt zu Jahresbeginn 2011 im weiteren Jahresverlauf merklich abgekühlt. Im Jahresdurchschnitt stieg das Bruttoinlandsprodukt um 3,0 %, im Jahresverlauf nur um 2,2 %. Die Aussichten für das Jahr 2012 stimmen nicht optimistisch. Eine Abschwächung der Weltkonjunktur, die Vertrauenskrise im Euroraum und der harte Sparkurs in vielen EU-Ländern führen im kommenden Jahr dazu, dass da Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft zum Erliegen kommt. Im Jahr 2012 wird der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Jahresdurchschnitt voraussichtlich 0,1 % betragen, im Verlauf sogar 0,4 %. Die Arbeitslosigkeit wird erst im Verlauf des nächsten Jahres zunehmen. Die Arbeitslosenquote bleibt im Jahresdurchschnitt mit 6,9 % aber noch niedrig. Der Anstieg der Verbraucherpreise wird im kommenden Jahr 1,6 % betragen, nach 2,3 % in diesem Jahr.

Download:
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_69_2011.pdf



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Dienstag, 15. November 2011

Zentralbank braucht Rückendeckung der Euro-Staaten

IMK-Analyse: Lösung der Krise im Euroraum nur mit aktiver Rolle der EZB möglich

Ohne die Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Krise einzelner Euroländer nicht mehr zu bewältigen. Das machen die aktuellen Probleme in Italien deutlich. Allein die EZB hat die Kapazitäten, um durch Aufkäufe von Staatsanleihen untragbare Zinsausschläge auf den Finanzmärkten zu verhindern. Die bisherigen Erfahrungen mit den Interventionen am Sekundärmarkt für Staatsanleihen zeigen, dass die EZB dabei keinen Inflationsdruck erzeugt hat. Damit die Notenbank ihr Potenzial zur Krisenbewältigung nutzen kann, braucht sie jedoch eine eindeutige Rückendeckung der Euro-Mitgliedstaaten. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Silke Tober, Geldpolitik-Expertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung. Ihre Untersuchung zur aktuellen Situation der EZB erscheint heute als IMK Report*

Tober analysiert die zunehmende Verschärfung der Krise im Euroraum. Ihr Fazit: Die Politik müsse rasch das Vertrauen an den Finanzmärkten wieder herstellen und die Konjunktur der Euroländer stabilisieren. Anderenfalls drohe eine Bankenkrise, eine lang währende Stagnationsphase oder gar ein Auseinanderbrechen des Euroraums. Die Erweiterung des Euro-Rettungsschirms und der geplante freiwillige Schuldenschnitt für Griechenland reichten längst nicht aus um zu verhindern, dass immer mehr Euroländer auf den Finanzmärkten mit nicht tragbaren Zinsforderungen konfrontiert würden.

Den mangelnden Erfolg der bisherigen Krisenpolitik der Euroländer führt Tober auf zwei Faktoren zurück:

- Der politische Umgang mit der Krise habe die Ansteckungsgefahr nicht gebannt. Inmitten einer Vertrauenskrise nur zögerlich Hilfen zu gewähren, zunächst prohibitiv hohe Zinsen für Hilfskredite zu verlangen und dann eine private Gläubigerbeteiligung ins Spiel zu bringen, bedeutet "Öl ins Feuer zu schütten", schreibt Tober.

- Derzeit versuchten alle Mitgliedstaaten gleichzeitig, ihre Schulden zu reduzieren. Die Konsolidierung dämpfe jedoch die Nachfrage und damit die Produktion. Dadurch, warnt die Volkswirtin, werde es schwerer, die Defizit- und die Schuldenquote zu reduzieren - wenn nicht gar unmöglich.

- Keine Staatsfinanzierung durch die Notenpresse -

Mangelndes Vertrauen der Banken untereinander und die inkonsequente Krisenpolitik der Euroländer haben die EZB zum Eingreifen gezwungen, so Tober: Bis Ende 2010 kaufte sie Staatsanleihen im Wert von insgesamt 74 Milliarden Euro, vornehmlich griechische, irische und portugiesische.

Dabei habe die Notenbank jedoch keine zusätzliche Liquidität in den Markt gepumpt, betont die Forscherin. Das Eurosystem schöpfte die Liquidität In Höhe des Wertes der Staatsanleihenkäufe mit einer verzinslichen Termineinlage wieder ab. "Es handelt sich somit ganz und gar nicht um eine Finanzierung der Staaten über die Notenpresse", erklärt die Wissenschaftlerin. Die Maßnahme habe keinen Inflationsdruck geschaffen. Dass die EZB die Anleihen mit erheblichen Preisabschlägen kaufte, verringere auch das Risiko, mit den Staatsanleihen Verluste zu machen. Ebenso wie bei EZB-Stützungsaktionen für den Bankensektor seien Abschreibungen zwar möglich. Die größte Gefahr gehe aber von Schuldenschnitten in weiteren Euro-Ländern aus - und damit von einer Eskalation, gegen die Interventionen der EZB den wirksamsten Schutz böten.

Als sich die Krise im August 2011 mit dem Anziehen spanischer und italienischer Renditen deutlich zuspitzte, wurde die Notenbank wieder aktiv. Ende Oktober hatte das Eurosystem bereits "Staatsanleihen für geldpolitische Zwecke" im Wert von 173,5 Milliarden Euro in seiner Bilanz. Besonders deutsche Zentralbanker kritisierten das. Die EZB habe mit den Käufen von Staatsanleihen "die Sanktionsfunktion des Marktes geschwächt", warnte zum Beispiel Ottmar Issing, der frühere EZB-Chefvolkswirt.

- Finanzmärkte haben Disziplinierungsfunktion nicht wahrgenommen -

Doch die Märkte haben die von Issing beschworene Disziplinierungsfunktion lange gar nicht wahrgenommen, zeigt Tobers Detailanalyse. So blendeten viele Investoren die problematischen makroökonomischen Ungleichgewichte im Euroraum aus, auf die beispielsweise das IMK schon seit langem lange hingewiesen hat. Zudem hatten zwei der Krisenländer, Irland und Spanien, vor Ausbruch der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 Budgetüberschüsse und niedrige Staatsschuldenstände. Märkte, die sich an den Kriterien des Stabilitätspaktes orientieren, hätten somit im Vorfeld der Krise gar keinen Grund gehabt, diese Länder zu "disziplinieren". Der Sanktionsmechanismus des Marktes habe also doppelt versagt. "Warum sollte man sich ihm jetzt anvertrauen?", fragt die Wissenschaftlerin.

Der Euroraum könne die Krise nur bewältigen, wenn staatliche Insolvenzen ausgeschlossen werden, fasst Tober die Situation zusammen. Bislang habe die EZB wegen der fehlenden Rückendeckung der Mitgliedstaaten nur halbherzig agiert. "Stellen sich die Euroländer hinter den Euro und erklären, dass sie in der aktuellen Situation kein Land zahlungsunfähig werden lassen, so könnte und müsste das Eurosystem seine Bereitschaft zeigen, Staatsanleihenkäufe deutlich auszuweiten." Im günstigsten Fall würde allein die Ankündigung reichen, um die Märkte zu beruhigen.

Zugleich, so Tober, sollte die Wirtschaft des Euroraums wieder wachsen, was angesichts eines schwächelnden außenwirtschaftlichen Umfeldes nur möglich sei, wenn Länder ohne akute Schuldenprobleme die Rolle der Konjunkturlokomotive übernähmen. Um die Staatsfinanzen im Euroraum zu entlasten, spricht sich die IMK-Expertin dafür aus, gerade private Haushalte mit höheren Einkommen und Vermögen an den Kosten der Krise zu beteiligen. Schließlich hätten diese in der Vergangenheit am stärksten von der Liberalisierung der Finanzmärkte profitiert. Tober plädiert für eine erhöhte Einkommen- und eine Vermögensteuer in allen Euroländern, um die Schulden zumindest auf das Niveau vor der Finanzkrise zu reduzieren.

*Silke Tober: Die Europäische Zentralbank in der Kritik, IMK Report Nr. 67, November 2011. Download:
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_67_2011.pdf

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Silke Tober
IMK, Referatsleiterin Geldpolitik
Tel.: 0211-7778-336
E-Mail: Silke-Tober@boeckler.de




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Freitag, 28. Oktober 2011

einblick 19/2011 vom 28.10.2011

Finanzkrise : Banken regulieren – Arbeitsmarkt stärken

Der Deutsche Bundestag hat der Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF zugestimmt. Vor den Verhandlungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Krisengipfel der Euroländer in Brüssel erinnert der DGB noch einmal daran, die ArbeitnehmerInnen und ihre Rechte nicht zu vergessen.

(Seite 1)


Mindestlohn: In der Warteschleife

Das Thema Mindestlohn ist endlich auch bei Schwarz-Gelb angekommen. Trotzdem warten drei Mindestlohn-Tarifverträge darauf, allgemeinverbindlich erklärt zu werden. Einige CDU-Landesverbände positionieren sich derweil zum gesetzlichen Mindestlohn.

(Seite 3)


ver.di-Gewerkschaftsarbeit: Die Beschäftigten bestimmen selbst

Mit der bedingungsgebundenen Gewerkschaftsarbeit schlägt ver.di neue Wege ein, um mehr Beschäftigte zu mobilisieren. Im Gesundheitsbereich ist diese Strategie erfolgreich. einblick zeigt, was dahinter steckt.

(Seite 5)


Fachkräftemangel: Das Phantom der Unternehmer

„Die Magie der Prognose“ haben die Autoren des Buches „Lügen mit Zahlen“ ein Kapitel genannt. In diesen Bereich fallen auch die Zahlen über den zu erwartenden Fachkräftemangel. Der Statistiker Prof. Gerd Bosbach zeigt, wie mit Zahlen Fakten geschaffen werde. Er empfiehlt die Frage: Cui bono – wer hat den Vorteil?

(Seite 7)

Http://www.einblick.de

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Freitag, 26. November 2010

Bökler Impuls 17

Datenschutz
Laxer Umgang mit Beschäftigten-Daten
Zahlreiche Unternehmen
missachten den Anspruch ihrer Beschäftigten auf Datenschutz: Jeder siebte Betriebsrat berichtet von Verstößen gegen geltende Vorschriften.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109814.html

Europa
Lissabon-Vertrag mit sozialem Potenzial
In der Europäischen Union haben wirtschaftliche Interessen zunehmend soziale Belange verdrängt. Der Vertrag von Lissabon könnte dazu beitragen, diesen Trend wieder umzukehren.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109813.html

Verteilung
Vermögende: Krisenverluste wettgemacht
Arbeits- und Kapitaleinkommen driften weiter auseinander. Die Wirtschaftskrise hat Finanzanlagen und Unternehmensgewinnen zwar einen vorübergehenden Dämpfer versetzt, doch den Vermögenden geht es im Schnitt schon wieder so gut wie vor der Krise.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109812.html

Tarifsystem
Niedriglöhne machen Betriebsräten zunehmend zu schaffen
Die meisten Betriebsräte in Deutschland befürworten einen Mindestlohn und mehr allgemeinverbindliche Tarifverträge. Dies ist auch eine Folge ihrer Praxis-Erfahrungen: Arbeitnehmervertreter sind zunehmend mit Niedriglöhnen konfrontiert.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109811.html

Finanzmarkt
Der doppelte Nutzen der Finanzmarkt-Regulierung
Nie waren in den vergangenen hundert Jahren die Einkommen der US-Amerikaner so ungleich verteilt wie unmittelbar vor den beiden großen Finanzkrisen.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109816.html

Schuldenbremse
Sparen auf Kosten der Zukunft
Die Schuldenbremse wird Hessen zu großen Einschnitten bei öffentlichen Investitionen und Dienstleistungen zwingen.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109817.html

Mit Arbeitszeitkonten durch die Krise
In der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit haben deutsche Unternehmen kaum Beschäftigte entlassen - obwohl das rechtlich leichter möglich war als in früheren Abschwüngen. Stattdessen spielten Arbeitszeitkonten eine herausragende Rolle.
mehr: http://www.boeckler.de/32014_109810.html

Dienstag, 7. September 2010

Publikation: Projekte der Hoffnung - Alternativer Nobelpreis

Seit über 25 Jahren werden mit dem Alternativen Nobelpreis (»Right Livelihood Award«) Menschen geehrt, die sich in herausragender Weise für Umwelt, Frieden und Menschenrechte einsetzen. Mit ihren ermutigenden Lösungsstrategien machen die Preisträger/innen nicht nur Hoffnung in einer Zeit, in der angesichts von Ausbeutung und Ungerechtigkeit, unkontrolliertem Macht- und Gewinnstreben, blindem Konsum und Wachstumswahn vieles hoffnungslos erscheint. Ihre Projekte und Initiativen zeigen auch, dass die Lösungen für viele globale Probleme vorliegen und längst erfolgreich erprobt sind. Der Alternative Nobelpreis gilt international als wichtigste Auszeichnung für nachhaltiges Denken und Handeln. Zwölf der Preisträger werden in Projekte der Hoffnung in Form von Interviews, Texten und Vorträgen porträtiert.

Peter Erlenwein, Geseko von Lüpke (Hrsg): Projekte der Hoffnung. Der Alternative Nobelpreis: Ausblicke auf eine andere Globalisierung. München, 2010, 230 S., 19,80 Euro, ISBN 978-3-86581-192-9

Informationen und Bestellung online

http://www.oekom.de/nc/buecher/themen/politikgesellschaft/archiv/buch/projekte-der-hoffnung.html


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Montag, 9. November 2009

Rechte und Risiken im Ehrenamt

Über 23 Millionen Menschen sind ehrenamtlich tätig - in Vereinen, bei der Feuerwehr oder bei der Nachbarschaftshilfe. Der vorliegende Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen zu den Rechten und Pflichten im Ehrenamt. Steuerrechtliche Absetzbarkeit, Haftungs- und Versicherungsfragen und die Schnittstellen zwischen Ehrenamt und Sozialleistungen stehen im Mittelpunkt der Publikation der Verbraucherzentrale NRW.

ARD-Ratgeber Recht, Verbraucherzentrale NRW (Hg.): Ehrenamtliche Tätigkeit - Meine Rechte und Risiken. 2008, 160 S., 9,90 Euro

Information und Bestellung online
http://www.vz-nrw.de/UNIQ125742442001596/link506001A.html