Mittwoch, 12. Oktober 2016

UNSER HARZ Oktober 2016

UNSER HARZ Oktober 2016: Das Jägerdenkmal in Goslar; Bergahorn – der Baum des Jahres 2009; Harzer Künstlerpostkarten, Teil 8 - Goslar; Nationalparkforum: 25 Jahre Brockenhaus – Grenzgeschichte und Nationalpark im Blick

Am 19. September 2016 wurde der 90. Geburtstag des Goslarer Jägerdenkmals gefeiert. Anlass für Dr. Donald Giesecke, sich Gedanken über die Bedeutung von Mahn- und Gedenkstätten im Allgemeinen und zum Goslarer Jägerdenkmal im Besonderen zu machen. Den deutlichsten Ausdruck findet der über die Jahrhunderte stattgefundene Sinneswandel bezüglich der Kriegerehrung in dem an der Kaiserpfalz aufgestellten Werk „Goslar Warrior“ des ersten Kaiserringträgers Henry Moore. 

Gerade im Oktober ist das kräftig gefärbte Laub des Bergahorns bei uns vielerorts zu bewundern. Nicht nur über sein besonderes Holz, das in vielerlei Bereichen Verwendung findet, wird hier berichtet, auch auf botanische Besonderheiten wird hingewiesen und die besondere Geschichte dieses Baumes hier im Harz gestreift, wo er entlang der Anfahrtswege zu den meisten Gruben gepflanzt wurde.

Die vielen malerischen Motive, die die Stadt Goslar zu bieten hat, haben zahlreiche Künstler dazu angeregt, sie auf Postkarten zu verewigen. Glücklicherweise hat das Stadtarchiv diese zur Vervollständigung alter Stadtansichten gesammelt.

Im Nationalparkforum wird das Brockenhaus vorgestellt, frühere Abhörzentrale der Staatssicherheit der DDR, heute Nationalparkhaus, das in seinen Ausstellungen eine Fülle von Informationen über die Geschichte des Brockens vermittelt, seine berühmten Besucher, seine besondere Flora, die hier gut aufbereitet zu bestaunen ist, und natürlich seine besondere Funktion in der Zeit der deutsch-deutschen Teilung. Zukunftsgerichtete Fragen zu Natur und Umwelt werden ebenso an die Besucher herangetragen wie zur geologischen Entstehungsgeschichte des Harzes, zu der auch eine Fülle von Ausstellungsstücken präsentiert wird. Ein Café und ein gut sortierter Museumsshop runden das sehenswerte Angebot dieses Hauses ab.

UNSER HARZ kann an folgenden Stellen erworben werden (noch bequemer ist ein Abonnement):

Altenau: GLC-Touristinformation
Bad Harzburg: Haus der Natur, Nordhäuser Str. 2B
Bad Sachsa: GLC-Touristinformation am Kurpark
Clausthal-Zellerfeld: Grosse´sche Buchhandlung, Adolph-Roemer-Str. 12, und Oberharzer Bergwerksmuseum, Bornhardtstr. 16,
Drübeck: Klosterladen im Gärtnerhaus
Goslar: Buchhandlung Böhnert, Kaiserpassage
Sankt Andreasberg: Stadtbuchhandlung Brockschmidt, Dr. Willi-Bergmann-Str. 11.

Schriftleitung UNSER HARZ
Brigitte Lippmann
Ringstraße 30G
38678 Clausthal-Zellerfeld

Freitag, 7. Oktober 2016

Schere von Armut und Reichtum

Vorstände im Dax verdienen im Mittel 57-mal so viel wie durchschnittliche Beschäftigte 

Vorstände von Dax-Unternehmen verdienen im Mittel 57-mal so viel wie die durchschnittlichen Beschäftigten in ihrer Firma. Dabei reicht die Bandbreite im Dax 30 vom 17- bis zum 141-fachen. Das zeigt eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung.* Die Autorinnen der Untersuchung empfehlen konkrete Transparenzvorschriften im Deutschen Corporate Governance Kodex, um die große Ungleichheit zwischen Topmanagern und den übrigen Beschäftigten abzubauen.

Wer die Verantwortung für die Geschicke eines großen Unternehmens mit zig tausend Arbeitsplätzen trägt, erbringt eine beachtliche Leistung und sollte anständig bezahlt werden. Dagegen wird kaum jemand etwas einwenden. Die Frage ist aber, wie hoch der Gehaltsaufschlag ausfallen darf. Eine Messgröße ist hier die sogenannte Manager to Worker Pay Ratio, auf die seit 2013 auch der Deutsche Corporate Governance Kodex Bezug nimmt. Wie hoch die Ratio - also das Verhältnis zwischen Vorstandvergütung und durchschnittlichem Verdienst im Unternehmen ausfällt -, muss von deutschen Unternehmen allerdings bislang nicht publiziert, sondern lediglich im Aufsichtsrat besprochen werden. Anders ist dies in den USA: Firmen müssen die Werte ab kommendem Jahr öffentlich ausweisen. Das soll künftig dazu beitragen, Gehaltsexzesse zu verhindern.

Die Vergütungsexpertin Marion Weckes von der Hans-Böckler-Stiftung hat zusammen mit Qendresha Berisha die Pay Ratios für die 30 Dax-Unternehmen berechnet. Dazu haben die Forscherinnen die Vorstandsvergütungen ins Verhältnis zu den Durchschnittsverdiensten im jeweiligen Konzern gesetzt. Datenbasis sind die Angaben zu den Gesamtaufwendungen für das Personal weltweit in den Geschäftsberichten für die Jahre 2005, 2008, 2011 und 2014. Angaben für inländische Beschäftigte waren nicht durchgängig verfügbar und erlaubten daher keinen Vergleich.  

Zentrales Ergebnis: Im vergangenen Jahrzehnt ist der Abstand zwischen Topmanagern und durchschnittlichen Beschäftigten deutlich angestiegen. 2005 bekam ein Vorstandsmitglied im Dax durchschnittlich 42 mal so viel wie ein  Beschäftigter, 2011 erreichte die Ratio mit dem 62-fachen einen vorläufigen Höchststand. Dem jüngsten ermittelbaren Wert, der Manager to Worker Pay Ratio von 57, liegen Daten von 2014 zugrunde. Dabei reicht die Spanne vom 17-fachen bei Konsumgüterkonzern Beiersdorf (u.a. Nivea) über das 33-fache bei der Allianz oder das 81-fache beim Pharmakonzern Merck bis zum 141-fachen beim Autobauer Volkswagen (alle Werte in der Grafik auf Seite 5 der Studie; Link unten). Drei Dax-Unternehmen weisen eine Ratio von mehr als 100 auf, nur zwei von weniger als 20. Vergleicht man die Jahre 2011 und 2014, fällt die Situation in den 25 Unternehmen, die in beiden Jahren im Dax waren, uneinheitlich aus: In zwölf wuchs der Abstand, in 13 ging er zurück. Bei VW beispielsweise vom 170- auf das 141-fache.  

Höhe und Entwicklung der Pay Ratio können mehrere Ursachen haben. Zum einen den wirtschaftlichen Erfolg: Oft stehen Unternehmen mit einem hohen internen Gehaltsabstand bei Umsatz, Gewinn und Beschäftigungswachstum gut da. Das galt beispielsweise für VW, das im Geschäftsjahr 2013 - wichtige Basis für die Vorstandsvergütung ein Jahr später - in diesen Kategorien ebenfalls an der Dax-Spitze rangierte. Allerdings, betonen die Forscherinnen, gilt dieser Zusammenhang nicht bei allen Unternehmen. Auch Trends bei der Bezahlung und Beschäftigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können die Pay Ratio beeinflussen: Wenn ein Unternehmen bei Neueinstellungen niedriger entlohnt oder Beschäftigung ins Ausland verlagert, schlägt sich das ebenfalls in der Ratio nieder.  

Die Studie zeigt auch: In den USA fällt der Verdienstabstand noch weitaus größer aus. Jenseits des Atlantiks bezieht die Gruppe der Vorstandsvorsitzenden im Durchschnitt das 335-fache ihrer Arbeiter und Angestellten. Es bleibe abzuwarten, so Weckes und Berisha, ob die neue Veröffentlichungspflicht die Abstände reduzieren wird. Eine Untersuchung der Harvard Business School zeige jedenfalls, dass die Wertschätzung der Verbraucher für ein Unternehmen sinkt, wenn sie wissen, dass dessen Manager sich eine extrem hohe Vergütung gönnen.

Mehr Transparenz herzustellen wäre auch hierzulande immerhin "ein erster Schritt", schreiben die Expertinnen. Das Gebot ließe sich sehr einfach durch eine kleine Ergänzung im Corporate Governance Kodex verankern. Die Autorinnen liefern in ihrer Studie dafür einen konkreten Vorschlag. So sollte etwa im separaten Vergütungsbericht der Unternehmen "die Angemessenheit des Verhältnisses der Vorstandsvergütung zur Vergütung des oberen Führungskreises und der Belegschaft begründet und die Beschäftigtenanzahl in Köpfen und Vollzeitäquivalenten nach Inland und weltweit" ausgewiesen werden. So sei garantiert, dass sich der gesamte Aufsichtsrat eingehend mit der Pay-Ratio-Thematik befasse und die interessierte Öffentlichkeit in die Lage versetzt werde, die inländische sowie die Konzern-Ratio selbst nachzuvollziehen. Der Kodex empfehle zwar schon heute die Berücksichtigung der Ratio. Doch in der Praxis werde "in vielen Aufsichtsräten die Vergütungsrelation, wenn überhaupt, nur auf Nachfrage berichtet" - schon, weil die Zahlen nicht automatisch den Weg in die Sitzungsunterlagen finden, berichten Weckes und Berisha. 

Wenn die Zahlen auf dem Tisch liegen müssen, könne der Aufsichtsrat die für das Unternehmen beste Lösung finden, etwa einen Höchstwert für die Pay Ratio. Dies sei, betonen die Autorinnen der Studie, übrigens nicht nur im Interesse der Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat, die sich für eine faire Entlohnung der Beschäftigten einsetzen. "Eine Obergrenze läge mitunter sogar im Interesse der Aktionäre". Denn Studien zeigen: Sehr große Gehaltsdifferenzen zwischen Führung und Beschäftigten wirkt sich negativ auf Kooperations- und Leistungsbereitschaft, also letztlich auf den Unternehmenserfolg aus. Manager, die finanziell stark nach oben abwichen, neigten häufig zu Selbstüberschätzung und risikoreicherem Handeln.

*Marion Weckes, Qendresa Berisha: Manager to Worker Pay Ratio, Mitbestimmungsreport Nr. 25, Oktober 2016. Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_mbf_report_2016_25.pdf  

Montag, 26. September 2016

UNSER HARZ September

Aus der Frühgeschichte der Radioaktivität – Forschungen im Harz und Umland; Forstliche Nachhaltigkeit – nicht im Harz erfunden, aber von Hans Dietrich von Zanthier gelehrt; Historische Gipsöfen am Nordharz; Serie Harzer Künstlerpostkarten, Teil 7, Brockenhexen; Nationalpark Harz von Anfang an dabei: 15 Jahre „Fahrtziel Natur“ – Klimaschutz durch Verkehrsverlagerung

Harz. Vor 120 Jahren wurde die Radioaktivität entdeckt. Dass viele Erkenntnisse hierzu aus dem Umfeld der Wolfenbütteler Physiker Julius Elster und Hans Geitel gewonnen wurden, gründend auf Versuche in Bergwerksschächten und Höhlen der Harzregion, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. 

2017 kann der 300. Geburtstag des Forstmanns Hans Dietrich von Zanthier begangen werden – Zeit, einen Rückblick zu halten und Klarheit zu verschaffen über sein Wirken und seine zukunftsweisenden Gedanken. Er gründete die erste Forstschule im deutschsprachigen Raum, jedoch nicht weltweit, wie oft gesagt wird.

Über die Gipsbrennerei am Südharz gibt es bereits mehrere Veröffentlichungen. Doch auch, wenn dieses Gebiet zu den bedeutendsten Zechsteingipsvorkommen in Deutschland zählt, so wurde doch auch im Nordharz Gips gewonnen, wie die rudimentären Reste früherer Gipsöfen zeigen.

Das Geheimnisvolle des Brockens und sein Hexenmythos spiegeln sich auch in vielen Postkarten verschiedener Künstler wider. Auf einigen sind die früheren Wandfriese von Adolf Rettelbusch im Brockenhotel noch zu sehen.

Im Nationalparkforum wird das Projekt „Fahrziel Natur“ vorgestellt, ein Gemeinschaftsprojekt von National- und Naturparken sowie Biosphärenreservaten in Deutschland, der Schweiz und Österreich mit dem Ziel, Tourismus nachhaltiger zu gestalten und die Nahverkehrsmöglichkeiten zu verbessern.

UNSER HARZ kann an folgenden Stellen erworben werden:
Altenau: GLC-Touristinformation
Bad Harzburg: Haus der Natur, Nordhäuser Str. 2B
Bad Sachsa: GLC-Touristinformation am Kurpark
Clausthal-Zellerfeld: Grosse´sche Buchhandlung, Adolph-Roemer-Str. 12; Oberharzer Bergwerksmuseum, Bornhardtstr. 16
Drübeck: Klosterladen im Gärtnerhaus
Goslar: Buchhandlung Böhnert, Kaiserpassage
Sankt Andreasberg: Stadtbuchhandlung Brockschmidt, Dr. Willi Bergmann-Str. 11.


Schriftleitung UNSER HARZ
Brigitte Lippmann
Ringstr. 30G
38678 Clausthal-Zellerfeld
108b@gmx.de

Samstag, 13. August 2016

Unser Harz August 2016

Geschichte des Klosters Ballenstedt – Begräbnisstätte der frühen Askanier; Ein Wanderweg und die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt für Werner Grübmeyer; Auf der Spur des Verbrechens; Die Kamelfichte am Achtermann; Die Kirchenbrücke in Oker; Der Fledermausbestand des Zoologischen Museums der Universität in Göttingen (ZMUG); Serie Harzer Künstlerpostkarten – Teil 6: Der Brocken und seine Wetterlage; Nationalparkforum: Nationalpark Harz arbeitet mit tunesischem Wald-Nationalpark zusammen


Clausthal-Zellerfeld. Ballenstedt, „die Wiege Anhalts“, wird urkundlich erstmals 1036 erwähnt, im Zusammenhang mit Graf Esiko, verwandt mit den Saliern. Wohl 1043 gründete Esiko auf dem Schlossberg in Ballenstedt ein Kloster. In unserem ersten Artikel bringt Autor Horst Lange Klarheit in die vielen Rätsel um dieses Kloster, das im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde.

Werner Grübmeyer, dem langjährigen Vorsitzenden des Nationalpark-Beirats, wurden anlässlich seines 90. Geburtstages und der letzten von ihm vorbereiteten Beiratssitzung diverse Ehrungen zuteil, um sein engagiertes Wirken für den länderübergreifenden Nationalpark Harz zu würdigen. Dr. Friedhart Knolle stellt hier das vielfältige Wirken Werner Grübmeyers, der über 37 Jahre lang Bürgermeister in Sankt Andreasberg war, für die Belange des Harzes vor. 

Ein Spaziergang der besonderen Art hat Christian Dolle an verschiedene Harzorte geführt: Er begleitete Krimiautor Roland Lange an die Schauplätze seines neuen Buchs „Stöberhai“. 

Am 3. Juli wurde in Braunlage der Nachbau der Kamelfichte übergeben, der nun wahrscheinlich im Kurpark seinen Platz finden wird. Seine Kindheit in Braunlage und die Kamelfichte auf dem Achtermann haben Helmut Fricke auf besondere Weise in sein Leben begleitet, weshalb er die Kamelfichte rekonstruieren ließ. 

Wie wird das Schicksal der alten Kirchenbrücke in Oker aussehen? Wäre sie es nicht wert, unter Denkmalschutz zu stehen mit ihrer heute selten gewordenen Konstruktion aus „Puddelstahl“? Fragen, die Heinz Severitt zur Situation in Oker stellt.

Der Fledermausexperte Wolfgang Rackow beschreibt, was es im Fledermausbestand des Zoologischen Museums der Universität Göttingen zu sehen gibt.

Die Serie über Harzer Künstlerpostkarten widmet sich diesmal dem Brocken, der auch viele Künstler, allen voran Adolf Rettelbusch, aber auch Ulrich Bornemann, inspirierte.

Das Nationalparkforum berichtet über die deutsch-tunesische Zusammenarbeit im Hinblick auf die Realisierung verschiedener Projekte mit gegenseitigem Erfahrungsaustausch.

UNSER HARZ kann an folgenden Stellen erworben werden (noch bequemer ist ein Abonnement):
Altenau: GLC-Touristinformation
Bad Harzburg: Haus der Natur, Nordhäuser Str. 2B
Bad Sachsa: GLC-Touristinformation am Kurpark
Clausthal-Zellerfeld: Grosse´sche Buchhandlung, Adolph-Roemer-Str. 12; Oberharzer Bergwerksmuseum, Bornhardtstr. 16,
Drübeck: Klosterladen im Gärtnerhaus
Goslar: Buchhandlung Böhnert, Kaiserpassage.

Weitere Abbildungen aus diesem Heft mailen wir Ihnen auf Anfrage gern.

Schriftleitung UNSER HARZ
Brigitte Lippmann
Ringstr. 30G
38678 Clausthal-Zellerfeld
108b@gmx.de

Sonntag, 24. Juli 2016

@Facebook und Bertelsmänner

Facebook hat in Deutschland mit der Löschung von Inhalten begonnen. Der Chef des Unternehmens, Mark Zuckerberg, erklärte vergangene Woche, dass man ab sofort „schlechte Inhalte“ eliminieren werde. Zu diesem Zweck werden 200 Mitarbeiter tätig, die, angeleitet von der @Bertelsmann-Tochter @Arvato, auf Hinweise von Informanten aus dem Netz tätig werden.

In der öffentlichen Darstellung soll es dabei um Hass-Postings gehen, die gelöscht werden. Tatsächlich geht es aber auch um unliebsame Inhalte, wie die Deutsch Türkischen Nachrichten in der Nacht zum Freitag feststellen mussten: Ein Posting über die geplante Ernennung des PKK-Chefs Öcalan zum Ehrenbürger von Neapel von von Facebook als Verstoß gegen die Richtlinien gelöscht. Alle DTN-Administratoren wurden für 24 Stunden gesperrt. Erklärungen gab es keine. Nach einer wütenden Beschwerde der Kollegen bei der Pressestelle von Facebook wurde das Posting schließlich freigegeben. Begründung für die Löschung gab es keine.


Eine solche Begründung kann man allerdings bei den Facebook-internen Schulungsdokumenten finden. Der deutsch-türkische Blogger Kerem Schamberger hat diese ausgegraben. Die internen Facebook-Papiere zeigen, dass Facebook sehr wohl nach politischen Kriterien zensiert. Interessant: Die Kollegen von den DTN haben gewissermaßen einen „Volltreffer“ gelandet: Denn auf Seite 4 der „Abuse Standards“ in der Fassung 6.2 des vertraulichen „Operation Manuals For Live Content Moderators“ findet sich eine Auflistung des Inhaltes, den Facebook-Moderatoren zu sperren haben. Unter der höchsten Sicherheitsstufe („escalated“) laufen hier:

1. Holocaust-Leugner mit dem Fokus auf Hass-Rede
2. Alle Attacken auf Atatürk (visuell und Text)
3. Landkarten von Kurdistan (Türkei)
4. Brennende türkische Flagge(n)

Derartige Inhalte sind von Facebook-Moderatoren sofort zu löschen. Etwas niedriger, aber ebenfalls zur Löschung freigegeben („confirmed“), sind:

1. Jegliche Inhalte, die für die PKK Unterstützung signalisieren ohne Kontext; kurdische Flaggen ignorieren
2. Inhalte, die Abdullah „Apo“ Öcalan zeigen oder unterstützen. Hinweis: Nicht löschen, wenn die Inhalte klar gegen die PKK und/oder Öcalan sind.

Diese sehr detailreichen Hinweise finden sich in einem Umfeld für andere Löschungen, die in dem Dokument zu finden sind. Die Löschungs-Anweisungen beziehen sich auf vorwiegend formale Kriterien und versuchen tatsächlich, Kriterien für bestimmte rassistische Postings zu entwickeln: So ist es auf Facebook zwar erlaubt zu posten „I hate Obama“, nicht jedoch: „Can’t stand that nigger Obama“. Das ist alles gut gemeint – aber es ist vor allem ein breites Einfallstor für politische Vorgaben.

Interessant: Offenbar hat sich im Hintergrund von Facebook bereits eine ganze Armada von Informanten und Lösch-Arbeitern am Werk. Allerdings sind sie nicht der wichtigste Teil der Facebook-Zensur: Die Hauptarbeit erledigen Algorithmen, die so programmiert werden, dass sie die vorgegebenen Kriterien erkennen und faktisch in Real-Time eliminieren können. Die User werden nicht informiert. Völlig unklar ist, ob die betroffenen Regierungen und Sicherheitsbehörden informiert werden. Dies stellt vor allem für politische Andersdenkende und Oppositionelle in Diktaturen eine enorme Gefahr da. Wegen der mangelnden Transparenz, die bei Facebook herrscht, erfahren die Opfer nämlich nicht, von wem sie denunziert wurden. Auch die Regierungen haben keine rechtlichen Verpflichtungen, weil sie ja nicht offenlegen, ob Facebook „schlechte Inhalte“ an die Behörden melden.

Auffallend ist in dem Dokument, dass die politischen Vorgaben der Türkei besonders oft und explizit erwähnt sind. Die Türkei hat eine lange Tradition der Zensur. Einschränkungen der Pressefreiheit haben unter Präsident Erdogan massiv zugenommen. Politisch Andersdenkende werden gnadenlos verfolgt und eingeschüchtert. Leitartikel können ebenso gefährlich seine, wie etwa bei der Cumhürryiet, wie poetische Tweets – wie diejenigen des weltberühmten und von Erdogan verfolgten Pianisten Fazil Say.

Die Gründe, warum Facebook sich aktiv an der Unterdrückung der Presse- und Meinungsfreiheit sowie an der Beschneidung der Menschenrechte beteiligt, dürfte in zwei Richtungen zu suchen sein: Zum einen ist Facebook auf vielfältige Weise mit den US-Geheimdiensten verbunden, wie der Sprecher der Deutschen Polizeigewerkschaft schon vor Jahren öffentlich und unwidersprochen gesagt hat (Video am Anfang des Artikels). Damit ist klar, dass Facebook als Instrument der geopolitischen Interessen der US-Regierung zum Einsatz kommt. Der scheinbare Abwehrkampf von Apple gegen das Entsperren eines iPhones ist ein reiner Schaukampf, der den Konsumenten vorgaukeln soll, dass die US-Technologiekonzerne den staatlichen Stellen Widerstand entgegensetzen.

Natürlich leistet Facebook gegen keine Regierung dieser Welt Widerstand: Denn der Deal, der zwischen den Regierungen und den Technologiekonzernen besteht, sieht einen klaren Abtausch der Interessen vor: Die Unternehmen geben der Regierung, was sie an Daten will. Dafür lassen die Regierungen die US-Unternehmen auf ihre Märkte – wo sie dann Geld verdienen können.

Kerem Schamberger, der wegen mehrfacher PKK-Postings auf Facebook gesperrt wurde und sich folgerichtig aus dem Netzwerk verabschiedet hat, analysiert auf seinem Blog sehr scharfsinnig:

„Es stellt sich jetzt die Frage, warum Facebook so sehr auf die türkische Regierungspolitik zugeht und in vorauseilendem Gehorsam pro-kurdische Inhalte zensiert?

In der Türkei nutzen 40 Millionen (von 75 Millionen Einwohnern) Menschen Facebook, damit steht das Land auf Platz 7 der Rangliste der meisten Facebook-Nutzer, noch vor Deutschand (28 Millionen) und Frankreich (30 Millionen) und hinter USA (188 Millionen), Indien (122 Millionen), Brasilien (98 Mllionen), Indonesien, Mexiko und den Philippinen. 89% aller Computer-Nutzer in der Türkei sind mit Facebook verbunden. Ergo: Die Türkei ist für Facebook ein riesiger, schnell wachsender Markt für Werbeanzeigen, private Daten usw.

Damit sich der türkische Daten/Werbe-Markt für Facebook also nicht schließt, gehorcht der Zuckerberg-Konzern lieber dem türkischen Staat und wird zum willfährigen Zensurmeister. Interessantes Detail ist dabei, dass die südkurdische Fahne explizit aus den Zensur-Vorgaben ausgenommen ist. Dies passt ins Bild, ist Südkurdistan unter dem Barzani-Clan doch einer der besten Handelspartner der Türkei und Erfüllungsgehilfe der USA.“

Das Beispiel der Türkei zeigt, dass es also ganz klare Zusammenhänge zwischen den kommerziellen Interessen von Facebook, einer repressiven Regierung und den geopolitischen Interessen der US-Regierung gibt.

In dieser Hinsicht ist die Tatsache, dass sich Facebook nun Deutschland „vorknöpft“ von einiger Bedeutung: Denn man kann davon ausgehen, dass der Mechanismus der Kooperation auch in Deutschland funktioniert. Was für Erdogan recht ist, kann für Angela Merkel nur billig sein. Schließlich ist auch Deutschland Nato-Partner und engster Verbündeter. Facebook kann gegenüber den EU-Staaten einen zusätzlichen Nachteil: Das Unternehmen zahlt nur minimale Steuern in Deutschland und den anderen EU-Staaten, weil alle Geschäfte über Steuer-Oasen abgewickelt werden. Die Regierungen in Europa versuchen immer wieder, von den Technologiekonzernen hohe Einmalzahlungen für den routinemäßigen Steuerbetrug zu kassieren. Diese Summen will sich Facebook ersparen und kooperiert daher mit der Bundesregierung – die ihre Hände wiederum in Unschuld waschen kann, weil ja nicht sie selbst zensuriert, sondern ein Bertelsmann-Unternehmen im Auftrag von Facebook. Das Bertelsmann-Unternehmen ist zur strengsten Verschwiegenheit verpflichtet.

Somit kann die Bundesregierung sicher sein, dass Facebook nach ihren Vorgaben löscht, was der Bundesregierung als „schlechte Inhalte“ erscheint. Das Türkei-Beispiel zeigt, dass es beileibe nicht nur um Rechtsextremismus geht. Im Grunde kann die Bundesregierung jeden Inhalt und jede Website auf den „Index“ setzen – und trotzdem mit einem freundlichen Gesicht das Grundgesetz rezitieren, wonach eine „Zensur nicht stattfindet“.

Anmerkung der Redaktion: Genau aus diesem Grund posten wir keine Artikel-Snippets mehr auf Facebook. Artikel allerdings, von denen wir meinen, dass sie auch für den virtuellen Zensor von Interesse sind, werden wir weiterhin auf Facebook posten (wie diesen Artikel).

Freitag, 15. Juli 2016

einblick 13/2016 vom 15. Juli 2016

Lohn- und Sozialdumping: Tarnen, prellen, Löhne drücken

An Kreativität mangelt es einigen Arbeitgebern nicht, wenn es darum geht, Löhne zu drücken und die öffentliche Hand um Abgaben und Steuern zu prellen. Häufig nutzen diese Firmen grenzüberschreitende Konstruktionen, um Beschäftigte in Europa gegeneinander auszuspielen.
(Seite 1)

Faire Neuordnung der Finanzen notwendig

Auch im kommenden Jahr will Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ohne zusätzliche Schulden oder Steuererhöhungen auskommen. Der DGB kritisiert den Haushaltsentwurf und fordert eine faire Neuordnung der Finanzbeziehungen.
(Seite 2)

Weiterbildung: Blick in die Röhre

Lebenslanges Lernen ist in aller Munde. Die Politik betont gerne, wie wichtig das Thema im digitalen Zeitalter ist. Aktuelle Zahlen belegen allerdings: Nur jede/r Achte hat 2013 an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen.
(Seite 3)

Arbeitsschutz braucht Beteiligung

Arbeit 4.0 stellt neue Herausforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Worauf es künftig ankommt, beschreibt Birgit Kraemer, Expertin im WSI der Hans-Böckler-Stiftung.
(Seite 7)

www.einblick.de


Samstag, 2. Juli 2016

einblick 12/2016 vom 04. Juli 2016

Europa muss gerechter werden

Großbritannien hat sich gegen Europa entschieden. Die Gewerkschaften erwarten, dass aus diesem Schritt die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Es gilt, das soziale Europa stärken.
(Seite 1)

Tiger, Kirchenmäuse und Tarifbindung

Auf unzähligen Plattformen können Menschen online private Autofahrten, Babysitter oder Putzkräfte buchen – vor allem im Handwerk boomen die Portale. Das Geschäftskonzept der Plattform-Ökonomie geht allerdings häufig auf Kosten der Menschen, die ihre Dienste anbieten.
(Seite 3)

Neustart für ein soziales Europa

Europa muss wieder eine attraktive Wertegemeinschaft werden, fordert die Initiative „Restart Europe Now!“. Dafür muss die Politik umsteuern.
(Seite 5)

Klare Positionen mit Ecken und Kanten

Überall in Europa sind rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch. Auch bei Gewerkschaftsmitgliedern finden manche ihrer Parolen Anklang. Für die österreichischen Gewerkschaften ist das nichts Neues. Der österreichische Gewerkschafter Roman Hebenstreit analysiert die Ursachen für die Attraktivität der rechtspopulistischen FPÖ und skizziert Gegenstrategien.
(Seite 7)

+++ Aufkleber-Aktion: Auf gute Nachbarschaft +++
Mit der Aufkleber-Aktion "Mach meinen Nachbarn nicht an" können Menschen zeigen, was sie von den kruden Ideen der Rechtspopulisten halten. Mehr zur Aktion des Graewis Verlags und den Bestellmöglichkeiten gibt es hier: http://einblick.dgb.de/-/g6J

www.einblick.de