Mittwoch, 22. Juni 2011
Niedrigzinsstrategie kann Euro-Krise lösen
IMK: Auch "weicher" Schuldenschnitt birgt große Risiken
Eine Umschuldung in Griechenland würde keine nachhaltige Entlastung des Krisenlandes bringen, aber auf den Finanzmärkten Misstrauen und Spekulation befeuern. Dieses Risiko besteht bei einem harten "Hair cut", bei dem Gläubiger einen Teil ihrer Forderungen abschreiben müssen, aber auch im Fall einer "weichen" Umschuldung. Gerieten dadurch andere Euro-Länder wie Portugal, Irland oder Spanien unter zusätzlichen Druck, bekämen auch deutsche Banken und Exporteure erhebliche Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung in einer neuen Untersuchung.* Eine auf Eurobonds gestützte Niedrigzinsstrategie eröffnet dagegen nach Analyse von Prof. Dr. Gustav A. Horn, Fabian Lindner und Dr. Torsten Niechoj einen deutlich risikoärmeren Weg zur Lösung der Euro-Krise. Eine Beteiligung privater Finanzmarktakteure werde durch eine Finanzmarkttransaktionssteuer erreicht sowie durch eine wirklich substantielle Bankenabgabe.
- Geringer Vorteil, großes Risiko -
25 bis 35 Prozent - in diesem Korridor lag nach einer Studie von Experten des Internationalen Währungsfonds der Abschlag, den private Gläubiger bei den meisten Staatsinsolvenzen zwischen 1998 und 2005 hinnehmen mussten. Im Falle Griechenlands würde ein Schnitt von 35 Prozent zwar die Schulden und auch den Zinsdienst zunächst massiv verringern. Er dürfte aber einen Zusammenbruch des griechischen Bankensystems provozieren und die schon jetzt sehr fragile griechische Wirtschaft weiter schwächen, prognostiziert das IMK. Schließlich haben griechische Banken dem Staat so viel Geld geliehen, dass die Forderungen im vierten Quartal 2010 gut 150 Prozent ihres gesamten Eigenkapitals und ihrer Reserven ausmachten. Ihre Rettung würde wieder öffentliche Hilfen in Anspruch nehmen - und die griechischen Staatsschulden damit erneut deutlich nach oben treiben. Die anfängliche Schuldenreduktion wäre ein Pyrrhussieg, warnt das IMK.
"Sanfte" Formen des Schuldenschnitts, etwa die Verlängerung von Kreditlaufzeiten, würden das Bankensystem auf den ersten Blick nicht so stark treffen. "Solche Ansätze haben allerdings bestenfalls symbolische positive Wirkungen. Und das wahrscheinlich zu einem hohen Preis", sagt Gustav Horn, der Wissenschaftliche Direktor des IMK. Denn schon eine "weiche" Umschuldung dürfte die ohnehin nervösen Finanzmärkte weiter irritieren. Ratingagenturen könnten die Friststreckung als Zahlungsausfall bewerten. Aus Sicht der Anleger würde die gesamte Euro-Union zur Risikozone, in der Staatsinsolvenzen prinzipiell möglich sind, weil keine mächtige nationale Zentralbank mit aller Konsequenz eingreift. Dadurch hätte nicht nur Griechenland viele private Kreditgeber dauerhaft verprellt. Auch alle anderen Euro-Länder müssten höhere Zinsen als Risikoaufschlag auf ihre Staatsanleihen zahlen, so das IMK. Irland oder Portugal und selbst Spanien könnte das neue, schwere Probleme bringen - weil sich dann neue Spekulationsattacken gegen diese Länder richten würden.
- Ausweg Abwertung versperrt -
Die Griechen, so die Wissenschaftler, hätten es nach einer Umschuldung an den Kreditmärkten womöglich sogar schwerer als Argentinien nach der Staatspleite von 2002. Zwar muteten die Südamerikaner ihren Gläubigern Abschläge von 73 Prozent zu. Durch eine starke Abwertung der Landeswährung wurden argentinische Exportgüter aber relativ schnell konkurrzenzfähig, das machte das Land für ausländische Gläubiger wieder attraktiv. Griechenland und anderen Euro-Staaten ist dieser Ausweg versperrt, weil sie keine eigene Währung besitzen. Damit fehle den Hellenen ein wichtiges Instrument, um ihr seit Jahren hohes Leistungsbilanzdefizit rasch zu reduzieren, so das IMK. Eine so genannte reale Abwertung über schwächere Lohnsteigerungen sei notwendig, aber sie werde die griechische Wettbewerbsfähigkeit erst langfristig verbessern. Und das auch nur unter einer Voraussetzung, betonen die Forscher: In Euro- Staaten wie Deutschland, die massive Leistungsbilanzüberschüsse verzeichnen, müssten Investitionen und Löhne stärker als bisher steigen, um für Nachfrage zu sorgen.
- Rückkehr zur Drachme? Euro droht massive Aufwertung -
Theoretisch könnte Griechenland zwar zur Drachme zurückkehren und abwerten. Es würde dann aber vollends von seinen Altschulden erdrückt, wenn diese weiterhin in Euro lauten. Auch die übrigen Mitglieder der Währungsunion hätten gravierende Nachteile, analysiert das IMK. Auf den Finanzmärkten dürften sich dann die Zweifel an der Zahlungs- und "Euro-Fähigkeit" von Ländern wie Portugal, Irland und Spanien verstärken. "Es könnte sich das wiederholen, was bereits die portugiesischen und irischen Rettungsmaßnahmen nötig gemacht hat: eine sich selbst erfüllende Prophezeiung", warnen die Forscher. Sollten diese Staaten dann auch zu einem Schuldenschnitt gezwungen sein und diesen mit einem Austritt aus der Währungsunion verbinden, "wäre dies gleichbedeutend mit dem Ende des Euroraum, wie wir ihn kennen." Folge: Der "Rest-Euro" dürfte drastisch aufwerten, weil Anleger aus den ausgeschiedenen Staaten ihr Kapital in Euro-Anlagen umschichten. Darunter würde die internationale Konkurrenzfähigkeit etwa der deutschen Exporteure leiden.
- Härtetest für Banken -
Auch auf den deutschen Bankensektor käme ein Stresstest zu. Müssten Gläubiger gegenüber öffentlichen und privaten Schuldnern in Griechenland 50 Prozent ihrer Forderungen abschreiben, verlören die deutschen Banken, Stand Dezember 2010, zwar lediglich bis zu 15 Milliarden Euro. Das entspräche knapp 4 Prozent ihres Eigenkapitals von gut 380 Milliarden. Weitaus gravierender könnten aber die indirekten Effekte ausfallen, wenn auch Irland, Portugal oder Spanien auf den Finanzmärkten unter weiteren Druck gerieten. So hielten die deutschen Banken im Dezember 2010 gegenüber staatlichen und privaten Schuldnern in Griechenland, Portugal, Irland und Spanien Forderungen in einer Höhe von rund 94 Prozent ihres Eigenkapitals. "Auch wenn nicht genau klar ist, inwieweit die Forderungen schon Wertberichtigungen enthalten, ist das doch eine massive Größe, die das deutsche Bankensystem vor schwere Herausforderungen stellen würde", schreiben Horn, Lindner und Niechoj. "Bei einer großen Panik des Finanzsystems müsste in Deutschland wieder - wie schon 2008 - der Staat dem Finanzsystem beispringen, indem er sich nochmals stark verschuldet und private in öffentliche Schuld überführt, um einem Bankenkollaps vorzubeugen."
Die Europäische Zentralbank hält ebenfalls erhebliche Forderungen in Griechenland, die von einem Schuldenschnitt betroffen wären. Experten nehmen an, dass die EZB bis März 2011 der griechischen Notenbank rund 85 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat. Und für schätzungsweise weitere 50 Milliarden Euro hat die EZB griechische Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt gekauft.
- Niedrigzinsen als Alternative -
Angesichts dieser Risiken favorisieren die Wissenschaftler einen neuen Weg zur Euro-Stabilisierung. "Anders als die bisherige Strategie, die ohne Perspektive von Hilfsprogramm zu Hilfsprogramm stolpert, gilt es Lösungen zu finden, die auch ein Ende der Krise glaubhaft erscheinen lassen." Als bessere Alternative empfiehlt das IMK daher eine Niedrigzinsstrategie: Erstens solle der Rettungsschirm der Euro-Staaten alle bereits ausgegebenen Staatsanleihen garantieren. Zweitens regen die Ökonomen die Ausgabe von so genannten Eurobonds an, Staatsanleihen, für die die Euro-Staaten auch zukünftig gemeinsam bürgen und die deshalb zu einem vergleichsweise niedrigen Zinssatz von rund drei Prozent verkauft werden könnten.
Für den Zeitraum bis 2015 haben das IMK und seine europäischen Partnerinstitute - das OFCE aus Paris und das Wiener WIFO - berechnet, wie sich eine Niedrigzinsstrategie auswirken würde. Kernergebnis: Vor allem die Krisenstaaten, aber auch die deutsche Wirtschaft würden von einem stärkeren Wachstum profitieren. Das würde es erleichtern, die Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen, so die Forscher. Die Modellrechnung lässt erwarten, dass Griechenland die Abwärtsspirale aus hohen Zinsforderungen, schlechten Ratings und steigender Verschuldung durchbrechen könnte. So würde die Staatsschuldenquote im Niedrigzinsszenario bis 2015 auf rund 110 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgehen - ganz ohne Schuldenschnitt und seine möglichen Negativ-Folgen.
- Finanzmärkte über Transaktionssteuer an Krisenkosten beteiligen -
"Aus ökonomischen Gründen und aus Gründen der Gerechtigkeit ist es wichtig, private Finanzmarktakteure an den Kosten der Krise zu beteiligen", betont Gustav Horn. "Aber ein Schuldenschnitt ist angesichts der dargestellten Risiken das falsche Instrument. Hingegen könnten eine Finanzmarkttransaktionssteuer und eine Bankenabgabe, die riskantes Verhalten weitaus konsequenter sanktioniert als die von der Bundesregierung beschlossene Variante, genau das leisten. Es ist höchste Zeit, diese Projekte ernsthaft voranzutreiben."
*Gustav A. Horn, Fabian Lindner, Torsten Niechoj: Schuldenschnitt für Griechenland - ein gefährlicher Irrweg für den Euroraum. IMK Report 63, Juni 2011.
Download: http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_63_2011.pdf
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Dienstag, 5. April 2011
Böckler Impuls Nr. 6 vom 30. März 2011
Der Informationsdienst der Hans-Böckler-Stiftung bringt alle zwei Wochen auf acht Seiten prägnante Analysen und Berichte rund um die Themen Arbeit, Wirtschaft und Soziales. Kurz und anschaulich für Leute mit Zeitnot geschrieben, wertet er konsequent wissenschaftliche Quellen und fundierte Fachsichten aus. Bereichert durch viele Grafiken und Schaubilder, die auch zum Nachdruck abrufbar sind. http://www.boecklerimpuls.de
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Montag, 14. Februar 2011
Ausstellung "Schätze im Himmel - Bücher auf Erden.
Mittelalterliche Handschriften aus Hildesheim"
Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel 05.09.2010 - 27.02.2011
Die Ausstellung wurde am 5. September 2010, 11.30 Uhr, in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta eröffnet und ist noch bis zum 27. Februar 2011 dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
Link: http://idw-online.de/pages/de/event31914
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Herzog August Bibliothek
Wolfenbüttel 05.09.2010 - 27.02.2011
Die Ausstellung wurde am 5. September 2010, 11.30 Uhr, in der Augusteerhalle der Bibliotheca Augusta eröffnet und ist noch bis zum 27. Februar 2011 dienstags bis sonntags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet.
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Mittwoch, 12. Januar 2011
Publikation: Freiwillige an Schulen
Ganztagsbildung geht über die Vermittlung unterrichtlicher Inhalte hinaus und erschließt Handlungskompetenz für den künftigen beruflichen und privaten Alltag junger Menschen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, suchen Schulen oaußerschulische Partner wie Vereine, Verbände oder Wirtschaftsunternehmen.
Die Kompetenzen, Erfahrungen und Kontakte, die diese in die Schule hineintragen, erweitern die Lebens- und Erfahrungswelt von Kindern und Jugendlichen und befördern die Chancengleichheit Jugendlicher und deren gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Erfolgreiche Schulleitungen arbeiten daher aktiv an der Öffnung ihrer Schule für das Gemeinwesen. Einen wichtigen Impuls setzt hier das Jugendbegleiter-Programm in Baden-Württemberg. Damit erhalten Schulleitungen die Möglichkeit, systematisch ein Netzwerk freiwillig Engagierter aufzubauen, unterschiedliche Lernorte zu verbinden und außerunterrichtliche Kompetenzen Jugendlicher nachhaltig zu fördern.
Der vorliegende Band zeigt auf, was bei der Arbeit mit Freiwilligen im Schulalltag zu beachten ist, wie kommunale Bildungsnetzwerke aufgebaut und gepflegt werden und welche praktischen Erfahrungen dazu vorliegen.
Kerstin Wondratschek (Hrsg.): Freiwillige an Schulen. Weinheim 2010, 208 S., 16,50 Euro, ISBN 978-3-7799-2129-5
Informationen und Bestellung online
http://www.juventa.de/
Die Kompetenzen, Erfahrungen und Kontakte, die diese in die Schule hineintragen, erweitern die Lebens- und Erfahrungswelt von Kindern und Jugendlichen und befördern die Chancengleichheit Jugendlicher und deren gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Erfolgreiche Schulleitungen arbeiten daher aktiv an der Öffnung ihrer Schule für das Gemeinwesen. Einen wichtigen Impuls setzt hier das Jugendbegleiter-Programm in Baden-Württemberg. Damit erhalten Schulleitungen die Möglichkeit, systematisch ein Netzwerk freiwillig Engagierter aufzubauen, unterschiedliche Lernorte zu verbinden und außerunterrichtliche Kompetenzen Jugendlicher nachhaltig zu fördern.
Der vorliegende Band zeigt auf, was bei der Arbeit mit Freiwilligen im Schulalltag zu beachten ist, wie kommunale Bildungsnetzwerke aufgebaut und gepflegt werden und welche praktischen Erfahrungen dazu vorliegen.
Kerstin Wondratschek (Hrsg.): Freiwillige an Schulen. Weinheim 2010, 208 S., 16,50 Euro, ISBN 978-3-7799-2129-5
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Sonntag, 9. Januar 2011
Holger Krahmer (FDP): Unsinn zum Klimawandel
Holger Krahmer ist ein junger FDP-Europaabgeordneter aus Leipzig. Als eines seiner politischen Ziele nennt er „pragmatischen, ideologiefreien Umweltschutz“, und seinen Blick auf den Klimawandel findet er vermutlich auch sehr pragmatisch und ideologiefrei.
Darum hat Kramer jetzt eine Broschüre zu den angeblichen Irrtümern der Klimaforscher herausgegeben. Greenpeace hat das Werk analysiert:
Fehler, zweifelhafte Quellen, kompetter Unsinn – wenn dies „Anregungen für neue liberale Ansätze“ sein sollen, dann steht es noch schlimmer um die FDP, als wir ohnehin schon dachten.
Den ganzen Text lesen:
http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=5108
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Darum hat Kramer jetzt eine Broschüre zu den angeblichen Irrtümern der Klimaforscher herausgegeben. Greenpeace hat das Werk analysiert:
Fehler, zweifelhafte Quellen, kompetter Unsinn – wenn dies „Anregungen für neue liberale Ansätze“ sein sollen, dann steht es noch schlimmer um die FDP, als wir ohnehin schon dachten.
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Mittwoch, 5. Januar 2011
IMK Report Nr. 59
Herausforderungen für die Wirtschaftspolitik 2011 - Der Euroraum in Trümmern?
Gustav Horn, Fabian Lindner, Torsten Niechoj, Simon Sturn, Silke Tober, Achim Truger, Henner Will
Kurzbeschreibung
Die Wirtschaftspolitik kann noch nicht aufatmen; zu schwer lasten die Folgeschäden der Krise insbesondere auf der europäischen Wirtschaft. Soll der Euroraum als Ganzes erhalten bleiben, muss die Wirtschaftspolitik ihn auch als eine Einheit verstehen und entsprechend handeln. Die enge nationale Perspektive muss von der Wirtschaftspolitik aufgegeben werden und einer europäischen Perspektive Platz machen. Dazu gehört, dass die Finanzpolitik in Deutschland neben der ohnehin anregenden Geldpolitik weiterhin expansiv ausgerichtet bleibt. Zugleich muss die Wirtschaftspolitik dem Euroraum einen auch langfristig tragfähigen und glaubwürdigen institutionellen Rahmen geben. Erst wenn dies geschehen ist, wird die Wirtschaft des Euroraums wieder in ruhigere Bahnen zurückkehren.
Download:
http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_report_59_2011.pdf
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Gustav Horn, Fabian Lindner, Torsten Niechoj, Simon Sturn, Silke Tober, Achim Truger, Henner Will
Kurzbeschreibung
Die Wirtschaftspolitik kann noch nicht aufatmen; zu schwer lasten die Folgeschäden der Krise insbesondere auf der europäischen Wirtschaft. Soll der Euroraum als Ganzes erhalten bleiben, muss die Wirtschaftspolitik ihn auch als eine Einheit verstehen und entsprechend handeln. Die enge nationale Perspektive muss von der Wirtschaftspolitik aufgegeben werden und einer europäischen Perspektive Platz machen. Dazu gehört, dass die Finanzpolitik in Deutschland neben der ohnehin anregenden Geldpolitik weiterhin expansiv ausgerichtet bleibt. Zugleich muss die Wirtschaftspolitik dem Euroraum einen auch langfristig tragfähigen und glaubwürdigen institutionellen Rahmen geben. Erst wenn dies geschehen ist, wird die Wirtschaft des Euroraums wieder in ruhigere Bahnen zurückkehren.
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Freitag, 10. Dezember 2010
Wirtschaftsinformatik_ Compliance & Risk Management
Editorial |
Kundendaten der Banken werden an die Finanzbehörden übertragen, Adress-, Konten- und Kreditkarteninformationen von Millionen Bürgern sind Handelsware. Unerlaubte Nutzung und Zugriff auf personenbezogene Daten werden geradezu als Kavaliersdelikt betrachtet. Schmiergeldaffären und andere gravierende Unregelmäßigkeiten bei namhaften DAX-Unternehmen, die alle den weltweiten Compliance-Richtlinien unterliegen - Schlagzeilen, die man regelmäßig in den Medien findet. Dabei handelt es sich keineswegs um ephemere Phänomene - im Gegenteil!
Es werden gesetzliche und aufsichtsrechtliche Regelwerke oder auch freiwillige Kodizes nicht eingehalten. Ein Verstoß gegen Compliance, ein Versagen des Risk Management mit teilweise gravierenden Folgen für die betroffenen Unternehmen: von Renommeeschädigung über Verlust von Kunden bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen. Wer möchte schon Kunde eines Kreditinstitutes oder eines Handelshauses sein, das so sorglos mit den eigenen persönlichen Daten umgeht? Wohl keiner.
Ein geflügeltes Wort besagt: Die Qualität einer Organisation zeigt sich im Umgang mit Beanstandungen. Das lässt sich übertragen: Die Qualität einer IT zeigt sich im Umgang mit den in den IT-Systemen verarbeiteten, den ihr anvertrauten Daten! Da steckt das Wort Vertrauen drin - ist es gerechtfertigt? Kann die IT dabei aktiv helfen beziehungsweise geht es nur mit dem richtigen Einsatz von IT, dass die gesetzlichen und unternehmensintern definierten Regeln eingehalten und ihre Risiken im Griff behalten werden können? Stimmen die Prozesse, die Genehmigungsworkflows, die Berechtigungen und vor allem auch die Datenqualität?
Das geht nicht automatisch, wenn es sich auch automatisieren lässt. Hier setzt die vorliegende HMD-Ausgabe an. Die Beiträge geben einen Überblick zum Thema IT-Compliance und Risk Management mit seinen Facetten inklusive der dazu notwendigen Governance-Modelle. Aber auch spezielle Einblicke beispielsweise in die Automatisierungsmöglichkeiten, das Outsourcing oder die spezifische Situation im Mittelstand werden behandelt. Mit Leichtigkeit hätte man die doppelte Anzahl an Seiten mit diesem brandaktuellen und an Bedeutung stetig zunehmenden Thema füllen können, so polymorph und interessant ist der Gegenstand. Wir hoffen, eine attraktive Auswahl getroffen zu haben.
Unser Dank geht an die Autoren, die mitgearbeitet haben, an Norman Zey, der wieder den Cartoon zeichnete, an die Redaktion und an alle, die zum Gelingen beigetragen haben. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen - und bleiben Sie compliant!
Compliance & Risk Management
Herausgeber: Knut Hildebrand, Stefan Meinhardt
dpunkt-Verlag
http://hmd.dpunkt.de/263/index.html
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