Dienstag, 21. September 2010

Arbeitsbedingungen: Nur Minderheit erreicht reguläres Rentenalter

Schlechte Arbeitsbedingungen beeinträchtigen das ganze Leben: Wer im Erwerbsverlauf meist körperlich schwere Arbeit leistet - etwa jeder Dritte Beschäftigte -, wird in der Folge häufiger arbeitslos, muss meist früher aus dem Beruf ausscheiden und hat in der Regel auch eine niedrigere Rente. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes).* Das Gros der körperlich hart Arbeitenden könne nicht bis 65 arbeiten - und erst recht nicht bis 67, schließen die Inifes-Forscher Prof. Dr. Ernst Kistler und Falko Trischler aus den Daten. Auch Beschäftigte, die bei der Arbeit seelischen Belastungen ausgesetzt sind, halten nicht so lange durch wie andere. Beschäftigte mit belastenden Tätigkeiten haben heute deutlich geringere Chancen, durch berufliche Wechsel bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, als in den 1980er Jahren.

Die Wissenschaftler untersuchten die Lebensläufe von Beschäftigten über einen Zeitraum von 25 Jahren, um die Spätfolgen schlechter Arbeitsbedingungen zu identifizieren. Dabei zeigt sich: Wer 1985 sein Geld in einem physisch anstrengenden Beruf verdiente, musste sich häufig vorzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden. Unter den körperlich Schwerarbeitenden der 1980er-Jahre, die 2001 zwischen 55 und 65 Jahre alt waren, lag der Frührentner-Anteil bei 58 Prozent. Bei den zuvor weniger Geforderten war die Quote 20 Prozentpunkte niedriger.

Körperlich Belastete müssen mit zahlreichen Nachteilen leben: Neben den gesundheitlichen Problemen und dem vorzeitigen Abschied sind sie auch stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als andere Erwerbstätige. Von den 2001 in einem körperlich anstrengenden Beruf Beschäftigten war in den folgenden fünf Jahren jeder Dritte mindestens einen Monat arbeitslos, berichten die Forscher. Die weniger belasteten Beschäftigten hatten ein geringeres Risiko: Von ihnen stand nur jeder Achte einmal ohne Job da. Die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit ist für physisch Schwerarbeitende dreimal so groß, so die Studie.

Dass schlechte Arbeitsbedingungen ein Ballast für das ganze Arbeitsleben sind, ermittelten Trischler und Kistler anhand von Angaben des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Für das SOEP werden jährlich die gleichen Personen zu ihrer Lebenslage befragt. Das ermöglicht Aussagen über langfristige Erwerbsverläufe. So stellten die Wissenschaftler fest, dass die meisten Betroffenen - sofern sie nicht arbeitslos werden - über Jahre die gleichen Belastungen erdulden, "bis es nicht mehr geht und sie vorzeitig in den Ruhestand müssen". Die Wissenschaftler sehen folgendes, durch empirische Daten gestütztes Muster: Menschen mit vergleichsweise geringen Qualifikationen sind eher gezwungen, Arbeitsplätze mit körperlichen Belastungen zu übernehmen. Sie erledigen selbst in den Branchen mit vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen die besonders anstrengenden Aufgaben. In diesen Jobs summieren sich die Nachteile der Arbeitswelt: Körperlich Schwerarbeitende haben nur wenig Freiräume bei der Arbeit und bekommen von ihren Arbeitgebern kaum Qualifizierungsangebote. Sie sind häufig als Zeitarbeiter, befristet oder in Teilzeit beschäftigt und beziehen oft nur einen Niedriglohn. Sich aus dieser Situation zu lösen, fällt inzwischen sehr schwer, denn die Aufstiegschancen in der Arbeitswelt haben abgenommen. Wer zu schlechten Bedingungen arbeitet, verbessert sich kaum noch, so Trischler und Kistler.

Beschäftigte mit körperlichen Belastungen wechseln häufiger die Stelle und berichten auch häufiger von Wechseln in Arbeitslosigkeit, Rente oder eine andere Form von Nichterwerbstätigkeit. Wo es aber zu einem Berufswechsel kommt, verschlechtert sich oft die Lage. Das war in den 1980er-Jahren noch anders: Fast zwei Drittel der Befragten erklärten damals, dass sich ihr Verdienst mit dem Wechsel verbessert habe. 2007 sagen das nur noch 42 Prozent; 29 Prozent geben stattdessen an, ihr Verdienst sei nun niedriger. Die Hälfte der Niedriglöhner des Jahres 1995 konnte ihren Status bis 2008 nicht verändern. Und auch die körperlichen und seelischen Belastungen verschwinden im neuen Job nicht, fanden die Forscher heraus. 2007 bleiben die Arbeitsbelastungen für fast die Hälfte der Befragten nach einem Wechsel ungefähr gleich, ein Viertel verschlechtert sich sogar noch. Gerade ältere Beschäftigte treffen an der neuen Stelle kaum noch bessere Bedingungen an.

Früher erwerbsunfähig, häufiger arbeitslos und schlecht vergütet - all das schlägt sich auch in der Alterssicherung nieder. Wer im Beruf körperlichen Belastungen ausgesetzt ist, sammelt weniger Rentenansprüche. Ältere Beschäftigte mit Belastungen waren von 2001 bis 2006 durchschnittlich nur 43 von 60 Monaten in Vollzeit beschäftigt, alle anderen dagegen sieben Monate länger. Das in der gesetzlichen Rentenversicherung für den so genannten "Eckrentner" angenommene Normalarbeitsleben werde für immer mehr Beschäftigte zur Illusion, warnen die Forscher.

*Falko Trischler, Ernst Kistler: Gute Erwerbsbiographien. Arbeitspapier 2: Arbeitsbedingungen und Erwerbsverlauf. inifes Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie, Stadtbergen 2010. Download: http://www.boeckler.de/pdf_fof/S-2009-236-3-3.pdf

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Flammen, Fluten, Dürren und Spekulanten

Unwetter und Naturkatastrophen fordern jedes Jahr tausende Menschenleben und sorgen für Leid und Not. Hedgefonds schrecken dennoch nicht davor zurück, daraus Profit zu schlagen und somit die Not der Menschen noch zu verschärfen. Mehr im neuen "klartext".
http://www.dgb.de/-/Hoc

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Dienstag, 7. September 2010

Publikation: Projekte der Hoffnung - Alternativer Nobelpreis

Seit über 25 Jahren werden mit dem Alternativen Nobelpreis (»Right Livelihood Award«) Menschen geehrt, die sich in herausragender Weise für Umwelt, Frieden und Menschenrechte einsetzen. Mit ihren ermutigenden Lösungsstrategien machen die Preisträger/innen nicht nur Hoffnung in einer Zeit, in der angesichts von Ausbeutung und Ungerechtigkeit, unkontrolliertem Macht- und Gewinnstreben, blindem Konsum und Wachstumswahn vieles hoffnungslos erscheint. Ihre Projekte und Initiativen zeigen auch, dass die Lösungen für viele globale Probleme vorliegen und längst erfolgreich erprobt sind. Der Alternative Nobelpreis gilt international als wichtigste Auszeichnung für nachhaltiges Denken und Handeln. Zwölf der Preisträger werden in Projekte der Hoffnung in Form von Interviews, Texten und Vorträgen porträtiert.

Peter Erlenwein, Geseko von Lüpke (Hrsg): Projekte der Hoffnung. Der Alternative Nobelpreis: Ausblicke auf eine andere Globalisierung. München, 2010, 230 S., 19,80 Euro, ISBN 978-3-86581-192-9

Informationen und Bestellung online

http://www.oekom.de/nc/buecher/themen/politikgesellschaft/archiv/buch/projekte-der-hoffnung.html


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Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft

Rechtsextremismus wird bislang hauptsächlich in Bezug auf die Mehrheitsgesellschaft diskutiert und behandelt. Es treten aber auch rechtsextreme Einstellungen unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Erscheinung, die zum Teil von Bewegungen in ihren ehemaligen Heimatländern oder den Heimatländern ihrer Familien beeinflusst werden. Das Projekt »Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage« hat eine Broschüre erstellt, in der auf rechtsextreme, rassistische und nationalistische Strömungen unter Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte eingegangen wird. Die Broschüre bietet sowohl einen Überblick über die verschiedenen Erscheinungsformen von Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus, Homophobie etc. in diesen Ländern als auch über deren Auswirkungen in Deutschland. Neben aktuellen Debatten thematisiert die Broschüre nationalistische Musik und Jugendkultur, verbreitete Männer- und Frauenbilder und übersteigerte Ehr- und Nationalgefühle. Im Kapitel über rechtsextreme türkischstämmige Jugendliche wird die Frage nach dem Stellenwert der Integration gestellt.

Bax, Daniel/Husic, Sead/Kerneck, Barbara/Rada, Uwe: Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. Berlin, 2010, 70 S., 3 Euro

Informationen und Bestellung online

http://www.schule-ohne-rassismus.org/publikationen.html#c177

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Montag, 6. September 2010

SELBSTVERSORGT

Gartenbücher gibt es viele. Die allermeisten gehen allerdings davon aus, dass bereits ein Garten vorhanden ist. Wer zum ersten Mal mit dem Gedanken spielt, den Speisezettel mit Gemüse, Kräutern und Beeren aus dem eigenen Garten gesund zu gestalten, dem fällt es schwer, weil er im Normalfall Kraut nicht von Unkraut unterscheiden kann. Mit dem Praxisbuch SELBSTVERSORGT!, das sich speziell an Einsteiger wendet, wird das anders. Schritt für Schritt wird erklärt, was zu tun ist, um aus der Wiese vor dem Haus einen Nutzgarten zu machen. Die richtige Anlage der Beete, die Bearbeitung der Erde, die Unterschiede zwischen aufkeimenden erwünschten Pflanzen und solchen, die man am besten sofort wieder ausreißt, realistische Angaben zum Zeitaufwand sowie eine Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen machen das künftige Gärtnern zu einem kalkulierbaren Vergnügen mit Erfolgsgarantie. Nützliche Tipps und praktische Tricks der Autorin, Planbeispiele, wie man 30 oder 100 Quadratmeter am effizientesten nutzt, sowie Informationen zur Lagerung der Ernte lassen das Buch aber auch zu einem interessanten Standardwerk für Menschen werden, die bereits den „grünen Daumen“ an sich entdeckt haben.

Heide Haßkerl: Selbstversorgt! Gemüse, Kräuter und Beeren aus dem eigenen Garten, Graz (Leopold Stocker Verlag), 2010, 180 S., Hardcover, ISBN: 978-3-7020-1263-2, 19,90 € (D) / 34,50 sFr

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Dienstag, 31. August 2010

Gerechtere Welt

"Zeit für eine neue Wirtschaft" – unter diesem Motto sind "50 Vorschläge für eine gerechtere Welt" zusammengestellt. Diese Vorschläge stellen eine sozial nachhaltige Entwicklung in Nord und Süd in den Mittelpunkt. Der Autor ist Mitbegründer von Attac Österreich.

Christian Felber: 50 Vorschläge für eine gerechtere Welt. Gegen Konzernmacht und Kapitalismus.
Wien, 2006. 335 S., 20,50 Euro, ISBN : 3-552-06040-5

Weitere Informationen (unter »zukunftsbuch«)
http://www.jungk-bibliothek.at/

medica mondiale e.V., Karin Griese (Hrsg.): Sexualisierte Kriegsgewalt und ihre Folgen

kriegsgewalt
Handbuch zur Unterstützung traumatisierter Frauen in verschiedenen Arbeitsfeldern
2., überarbeitete und erweiterte Auflage, Mabuse-Verlag 2006, 456 S., 34,90 Euro, ISBN 3-935964-48-X

Köln, 26. Februar 2007. Mit diesem Handbuch präsentiert medica mondiale einen übergreifenden Überblick zum Thema „sexualisierte Kriegsgewalt und Trauma“. Das Buch bietet Informationen über Hintergründe und kulturspezifische Folgen von sexualisierter Gewalt in Kriegs- und Krisengebieten und geht ausführlich auf die problematische Situation der Betroffenen als Asylbewerberinnen oder Zeuginnen in Strafgerichtsprozessen ein. Der für die zweite Auflage komplett überarbeitete Rechtsteil berücksichtigt das neu eingeführte Zuwanderungsgesetz. Der umfangreiche praxisorientierte Teil des Handbuchs enthält Empfehlungen zum Umgang mit den Folgen von sexualisierter Gewalt und Trauma für Fachkräfte in den Gesundheitsberufen, in Rechtsberatung und Gerichtspraxis sowie in der Entwicklungszusammenarbeit. Die zweite Auflage des Buches diskutiert auch die Retraumatisierung älterer Frauen in Pflegesituationen.

„Eine große Stärke des Buches ist sein hoher Praxisgehalt.“ (Frankfurter Rundschau)
„Ein kaum schätzbarer Beitrag für die interdisziplinäre Arbeit und damit für die Betroffenen.“ (www.socialnet.de)

Inhaltsverzeichnis Leseprobe (aus der 1. Auflage, Kapitel 2: Sexualisierte Gewalt im Krieg – eine Chronik)

Bei direkter Bestellung über den Mabuse-Verlag mit diesem Formular gehen 6 € als Spende an medica mondiale! (portofreie Zusendung).

Mabuse-Verlag
Postfach 90 06 47
60446 Frankfurt am Main
Tel.: 069-70 79 96 16
Fax.: 069-70 41 52


Weitere Fragen und Interviewwünsche:

medica mondiale e.V. - Isabella Stock (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
istock@medicamondiale.org; www.medicamondiale.org
FON +49-(0)221-931898-25
FAX +49-(0)221-931898-1


Wir unterstützen Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten.
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